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Auf dem Weg von der Deutschland AG zum Global Player hat die Deutsche Bank Macht eingebüßt.

Deutsche Bank wieder selbstbewusster und zielorientiert

So mancher Deutschbanker und Aktionär konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen: Der Aktienkurs ist gerade über die zehn Euro gerutscht und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Kursplus von 40 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax stieg im selben Zeitraum auf knapp unter vier Prozent.

Dem vorangegangen war mutmaßlich eine spezielle nachrangige Anleihe in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro, die das Kernkapital der Deutschen Bank stärkt, so die Mitteilung vom 10. Februar nach Börsenschluss. Mit dieser Transaktion soll eine Einhaltung regulatorischer Kapitalanforderungen gewährleistet werden.

Nach dem Horrorjahr 2019 mit einem Jahresverlust von 5,7 Milliarden Euro soll jetzt der Aufbruch zu neuen und wieder erfolgreichen Ufern starten. Dafür hat Konzernchef Christian Sewing die Bank komplett umgebaut. Der Fokus geht im Rahmen der neuen Strategie wieder in Richtung Privat- und Firmenkundenbank, also weg vom risikoreichen Investmentbanking.

Management verzichtet auf Millionen – und streicht Millionen ein

Trotz der desaströsen Zahlen gönnen sich die Vorstände einen Bonustopf von rund 13 Millionen Euro – gegenüber 25,8 Millionen im Vorjahr, was als sichtbares Zeichen für mehr Demut gelten soll. Denn der freiwillige Verzicht wäre Teil der variablen Vergütung gewesen. Sewing will wieder angreifen, und zwar nachhaltig, so die Botschaft in einem Mitarbeiterbrief an die Belegschaft. Die Frankfurter Banker erhalten bald prominente Unterstützung, denn Ex-Außen- und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel soll in den erlauchten Kreis des Aufsichtsrats einziehen. Entsprechend dem Aktienrecht wird er sich bei der nächsten Hauptversammlung im Mai den Aktionärinnen und Aktionären zur Wahl stellen.

Strategie hin – Strategie her

Die nach der Bilanzsumme größte Bank Deutschlands hat ihren Sitz in Frankfurt. Im Jahre 1870 gegründet, ist das Unternehmen heute in über 70 Ländern vertreten. Obwohl sich das Kreditinstitut als Universalbank bezeichnet, liegt der Schwerpunkt seit Jahren beim Investmentbanking. Mit dieser Strategie ist das Geldhaus vergleichsweise gut aus der Finanzkrise gekommen – aktives internationales Investmentbanking zu betreiben ist aber sehr risikoreich. Jetzt wieder auf Privat- und Geschäftskunden zu setzen, wird schwierig werden.

Hier sind die etablierten Sparkassen der Gegner!

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Deutsche Bank und Bitcoin: Bis heute keine Freunde!

Und was ist mit einem Statement zu Kryptowährungen? Das erfolgte im vergangenen Herbst mit einem Artikel im Research-Magazin „Konzept“: Im Kontext der Transformation zur bargeldlosen Gesellschaft, so der Blick der Deutschen Bank in die Zukunft, werden Bitcoin und Co. zwar an Bedeutung gewinnen, aber eine Ablösung des etablierten FIAT-Geldes kann sich niemand in Frankfurt vorstellen. Die Kernbotschaft und „Gretchenfrage“: Können die Zentralbanken wachsende Staatsverschuldungen mit steigenden Renditen bei Staatsanleihen vereinbaren? Dies sei die „Multi-Billionen-Dollar- (oder Bitcoin-) Frage“ für das kommende Jahrzehnt.

In seinem Newsletter vom 13. Februar geht das Unternehmen sehr kritisch mit der Digitalpolitik der Bundesregierung und der EU um. „Big Techs und innovative Einhörner“, so wird beklagt, stammen entweder aus den USA oder China. Dies sollte die „europäischen Staats- und Regierungschefs in permanente Alarmbereitschaft versetzen.“

Unzufrieden mit Digitalisierungsfortschritt

Mangelndes Geld und fehlende Schnelligkeit, so die deutsche Bank, behindern die Umsetzung der deutschen Regierungsstrategie, als Mitspieler in der globalen Plattformwirtschaft ernst genommen zu werden. Obwohl allseits gefordert, gibt es in Deutschland kein Digitalisierungsministerium wie in anderen Ländern. Verantwortlichkeiten und Kompetenzen für die digitale Transformation wären auf mehrere Ministerien verteilt. Es gibt, so die Banker, zwar eine Staatsministerin für Digitalisierung – allerdings ohne eigenes Ministerium. Und da das Ministerium fehlt, existiert auch kein Digitalhaushalt. Das führt in der Praxis zu Kompetenzrangeleien und sich überschneidenden Zuständigkeiten.

Summa Summarum: Im internationalen Vergleich hinkt die digitale Infrastruktur in Deutschland meilenweit hinterher! Die für die digitale Transformation vorgesehenen öffentlichen Mittel von 500 Millionen jährlich „könnten nur ein guter Ausgangspunkt sein.“