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Paradigmenwechsel im globalen Bezahlwesen

Der Sommer in weiten Teilen Europas ist derzeit tropisch. Auch in Deutschland sind die Zeiten heiß, nicht nur was das Wetter betrifft. Bereits seit einigen Jahren schon schwören Volkswirtschaftler, Finanzexperten und Software-Spezialisten auf ein neues Zeitalter von Währungen ein. Die Begriffe Krypto-Währung und Blockchain-Technologie sind inzwischen nicht nur Thema in Fachkreisen der Finanzwirtschaft oder bei politischen Hinterbänklern – die aktuelle Gewichtung des Themas in der öffentlichen Wahrnehmung ist fast schon als Mainstream zu bezeichnen. 

Wie sonst ist es zu bewerten, dass der neben Google größte Kommunikationsgigant der Welt, der von Mark Zuckerberg gesteuerte Facebook-Konzern, seit dem 18. Juni ganz offen über seine Planungen zu einer eigenen Krypto-Währung spricht, die unter dem Namen Libra eingeführt werden soll? Ist es Zufall, dass Bundesbank-Vorstand Prof. Joachim Würmeling einige Tage später, am 23. Juni, ein viel beachtetes Interview in der Frankfurter Allgemeinen gibt, in dem er die Plausibilität von zukünftigen Krypto-Währungen unterstreicht, gleichzeitig aber auch vor den Risiken bei der Einführung einer globalen Facebook-Währung warnt, die nicht nur das etablierte Finanzwesen zum Beben bringen könnte?  Und gerade jetzt, wo der bis vor nicht allzu langer Zeit aufgrund der Kursverluste verteufelte Bitcoin mit der Facebook-Ankündigung wieder die Schallmauer von 10.000 Euro knackt, denken CDU und CSU offen über eine eigene digitale Währung nach. Was steckt dahinter? 

Das Finanz-Establishment zittert

Glaubt man Insidern, möchte die Fraktion die Bundesregierung animieren auf die digitale Revolution im Bezahlwesen nachhaltig zu antworten. Das Konzept trägt den eher lauwarmen Titel „Zukunftstechnologie Blockchain – Chancen für Deutschland nutzen“. Aber dahinter steckt eine volkswirtschaftliche, finanzpolitische Bombe: Denn die Parlamentarier planen nicht mehr oder weniger als Deutschland mit dieser Rakete in die weltweit erste Reihe der Blockchain-Bewegung und der virtuellen Währungen zu schießen. Könnte daraus vielleicht sogar eine neue D-Mark werden, genauso hart wie die physische Variante aus dem letzten Jahrtausend, die 2002 durch den Euro als Währung abgelöst wurde? Oder ein digitaler Euro? Fakt ist: Der Bitcoin und jetzt Facebook Libra bringen Banker und Politiker in´s Schwitzen und motivieren diese zum Handeln! Die Parlamentarier möchten nach Aussage von Daniel Eckert aus der welt.online-Redaktion, digitales Geld einführen, so zumindest steht es im Konzeptpapier geschrieben: „Die Zentralbanken sollen über Geschäftsbanken Krypto-Token ausgeben, die diese wie Sichteinlagen handhaben (sog. Stable Coin).“

Von Profis gleichermaßen gehasst, verteufelt und geliebt

Bis vor kurzem war die Meinung in Finanzkreisen zu Krypto-Währungen und insbesondere zum Bitcoin heterogen: Jamie Dimon, CEO von JPMorgan erklärte noch im Jahr 2017, dass der Bitcoin Betrug sei und er jeden Mitarbeiter feuern würde, der damit Geschäfte macht. Vier Monate später bedauerte er diese Aussagen. Tausendsassa und Großinvestor Warren Buffett bezeichnet das virtuelle Geld als Rattengift, während Twitter-Founder und Unternehmer Jack Dorsey digitale Währungen begeistert kommentiert. Letztlich auch deswegen, weil Twitter unter dem Namen Square gerade seinen eigenen mobilen Bezahldienst ausbaut.

Etablierte Bluechips und neue Markt-Performer im Krypto-Markt

Als aktuell die erfolgreichsten Krypto-Währungen gelten der Bitcoin, Litecoin, Ethereum, Ripple und Monero. Neu im Krypto-Markt oder kurz vor Markteinstieg sind beispielsweise 4NEW, KYC Legal, Faceter oder BlockMesh, nicht zu vergessen wee. Die Schweizer weeNexx AG ist gerade dabei für das Loyalty-Programm wee das Mobile Payment mit einer eigenen virtuellen Währung auszubauen. Das als Suchmaschine für den Einzelhandel angepriesene Cashback- und Mobile Payment-System von Founder Cengiz Ehliz, die in Bayern entwickelte Alternative zu Amazon, könnte den stationären Einzelhandel hinsichtlich immenser Bankgebühren massiv entlasten, wovon auch die Konsumenten als wesentliche Nutzer profitieren würden. Enge Kontakte zur CSU, so wird kolportiert, schließen auch gemeinsame Gespräche beim aktuellen Vorstoß der Bundestagsfraktion in Sachen Krypto-Währung mit ein.

Nicht nur easy Online-Shopping ohne Bankgebühren

Aber um was geht´s eigentlich bei virtuellen Währungen auf der Basis von Blockchain-Technologien? Wer in Krypto-Währungen investiert kauft kein „normales“ Geld, er bezahlt für digitales Geld, das auf dem Smartphone abgelegt wird. 26 Millionen Menschen weltweit nutzen so bereits ca. 2.000 virtuelle Währungen – bezahlen und kaufen mit ihrem Smartphone, ein wesentliches Tool für Mobile Payment. Der Marktwert der Krypto-Währungen liegt aktuell bei ca. 170 Milliarden Euro. Die Wallet als virtuelles Konto, wo die gekauften Token abgespeichert werden, ist anonym und verschlüsselt. Der Vorteil beim Bezahlverkehr mit virtuellem Geld: Es geht erheblich schneller als beim Transfer über konventionelle Bankkonten und die Kosten beim Krypto-Geldtransfer von Wallet zu Wallet  sind minimalst. Denn konventionelle Banken, Notenbanken oder Staaten sind nicht beteiligt, insofern entfallen die obligatorischen Gebühren! Die Coins sind nicht zentral erfasst – sie werden in der sogenannten Blockchain auf Millionen Computern verwaltet. Alle Prozesse sind einsehbar, aber anonym.

Globale Trends sind nicht aufzuhalten

Die Politik und Währungshüter sind in hellem Aufruhr, denn die Anonymität dieser virtuellen Geldtransfers hält die Tür weit auf bei transnationalen Geldgeschäften von Jedermann. Insofern gilt es, so die Finanzpolitik, Regeln zu schaffen um Sicherheit für Jedermann gewährleisten zu können. Also, so das Credo, keine Renaissance von Wilder Westen bei Geldsystemen, denn es könnten ja mit den anonymen Geldtransfers Terroristenfinanzierung oder Geldwäsche betrieben werden.

Aber, so Würmeling in der FAZ: „Privates Geld als privates Tauschmittel ist nicht verboten, privates digitales Geld auch nicht.“ Der Topmanager scheint den Innovationen im Bezahlwesen aufgeschlossen zu sein, denn er positioniert die „Bundesbank markt- und technologieneutral“, weswegen das Institut Innovationen offen gegenübersteht. Eine Reglementierungskeule einzuführen sieht er eher skeptisch, denn Krypto-Token funktionieren global, was wiederum nationale Regelungen ausschließt, zugunsten von internationalen Standards, die schnellstens einzuführen sind. Und genau das bezieht sich auf Facebook-Libra: Auch wenn diese Währung durch Staatsanleihen oder Währungen gedeckt ist, könnten für die Nutzer Wechselkurs- und Ausfallrisiken entstehen. 

Bundesbank-Manager benennt Risiken und sieht Handlungsdruck

Wenn sich bei weltweit 2,7 Milliarden Facebook-Nutzern nur 10 Prozent am Libra-Projekt beteiligen, dann ist das ein Kundenstamm wie ihn derzeit alle Banken in gesamt Westeuropa haben. „Facebook könnte“, so Würmeling, „zum größten Vermögensverwalter der Welt und somit systemrelevant werden. Als Bundesbank werden wir daher genau analysieren, ob Libra Auswirkungen auf die Finanzstabilität haben könnte.“

Sollte es Facebook gelingen Libra als Zahlungsmittel erfolgreich einzuführen und zu etablieren, hätte das fatale Auswirkungen auf die Bedeutung nationaler Währungen. „Implikationen für die Banken und die Geldpolitik sind daher nicht auszuschließen“, resümiert der angesehene Bundesbanker. Dass Facebook nicht auf Konfrontation aus ist, davon ist er überzeugt: „Facebook wird seine Plattform nicht gegen den Willen von Staaten und Notenbanken durchsetzen“… „Das Unternehmen muss ein Interesse daran haben zu kooperieren – nur so gewinnt Libra Glaubwürdigkeit und Stabilität.“

Technologische Innovationen, die den Menschen das Leben erleichtern, sind nicht aufzuhalten, das hat die Geschichte hundertfach bewiesen. Auch Krypto-Währungen sind nicht mehr zu bremsen: „In China haben digitale Anbieter wie weChat Pay praktisch das Bargeld als Zahlungsmittel abgelöst – und das binnen fünf Jahren!“, argumentiert Würmeling.

US-Politik gegen virtuelle Währung von Facebook

Die US-Politik kritisiert Zuckerberg und seine Idee mit Libra eine eigene globale Krypto-Währung einführen zu wollen, die, nach eigener Aussage, ohne Kursschwankungen auskommen soll. Hinter dieser Kritik steht zweifelsohne Angst, denn das Facebook-Digitalgeld würde die etablierte Finanzwelt wie ein Erdbeben diametral umkrempeln, da sind sich die Experten sicher. Die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Maxine Waters, beschwor jetzt Facebook das Projekt doch abzublasen. Für Facebook könnte der Datenschutz ein Problem werden, womit man in der Vergangenheit schon des Öfteren zu kämpfen hatte.

Möglicherweise mündet das Mega-Projekt von Zuckerberg in einem für beide Seiten akzeptablen Kompromiss, wie das gerade die Mobile Payment-Anbieter Apple Pay und Google Pay zeigen. Das Mobile Payment mit der Wallet erfolgt bei Apple über die hinterlegte Visa Card, bei Google mittels Mastercard, entsprechende Banken integriert.