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Von 20 Millionen Nutzern in Deutschland träumen die Strategen von Samsung Pay.

Wettbewerb der Etablierten mit Apple, Google, PayPal und Newcomern wie wee oder Samsung wird härter

Mobile Bezahlsysteme stehen hoch im Kurs! Laut den Wirtschaftsprüfern der pwc erreicht die Kundenbasis für mobile Bezahlsysteme über 11 Millionen Endverbraucher in Deutschland. Das entspricht einem Marktvolumen von rund einer Milliarde Euro p.a. Fast wöchentlich präsentieren unterschiedliche Bluechips aus dem Bereich Banken und Smartphones, aber auch andere Fintech-Unternehmen, immer neue Konzepte, um von diesem Megamarkt zu profitieren.

Glaubt man den aktuellen Marktrecherchen von Statista zu den beliebtesten Anbietern modernen Bezahlens 2020, bevorzugen die Deutschen zu 59 % PayPal. Auf die Frage: „Mit welchen Services haben Sie in den letzten 12 Monaten in einem Geschäft, Restaurant oder sonstiger Verkaufsstelle mit Ihrem Smartphone gezahlt?“ folgen auf den weiteren Plätzen Google Pay mit 40%, Payback Pay mit 28%, Apple Pay mit 28%, BitPay mit 9%, Barclays bPay mit 9% und Boon. mit 3%.

Der Online-Bezahldienst PayPal konnte in den vergangenen Monaten mächtig zulegen: Die Amerikaner konnten im zweiten Quartal 2020 346 Millionen aktive Accounts für sich verbuchen. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Wachstum von rund 21 %. Die Anzahl der Transaktionen über PayPal belief sich im zweiten Quartal 2020 auf ca. 3,74 Milliarden. Im Geschäftsjahr 2019 betrug der Umsatz für das Unternehmen geschätzt knapp 18 Milliarden US-Dollar.

Beim Onlineshoppen bezahlen die Deutschen am liebsten auf Rechnung (41%), gefolgt vom Bezahlen mit Paypal (35%) und der Bezahlung mit Lastschriftverfahren (8%). Das erst kürzlich in Deutschland gestartete Apple Pay kennen bereits die Hälfte der Deutschen, mehr als 60% wissen vom härtesten Konkurrenten Google Pay.

Am 28. Oktober geht nach Apple mit Samsung der nächste Smartphone-Gigant mit einem eigenen Mobile Payment in den lukrativen Markt. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern Apple und Google wollen die Südkoreaner nach eigenen Aussagen nicht mit Banken oder Sparkassen kooperieren. Der Weg ist individuell – unter Umgehung der traditionellen Kreditwirtschaft. Dabei spielen die Partner Visa und die Berliner Whitelabel-Fintech Solarisbank eine tragende Rolle in der Samsung-Strategie. Bei der Registrierung für Samsung Pay bekommen die Kunden eine virtuelle Visa-Debitkarte, die im Zuge eines KYC-Verfahrens (Sicherheitsprüfung) mit dem Bankkonto des Users synchronisiert wird. Allerdings ist der Karten-Herausgeber nicht die jeweilige Hausbank des Nutzers, sondern die Berliner Solarisbank.

Es scheint, als hätte sich Samsung an die Strategie von Google angelehnt, die mit Mastercard und PayPal kooperieren. Allerdings hat Google darüber hinaus Verträge mit so gut wie allen namhaften deutschen Banken, so dass die Nutzer über PayPal hinaus auch auf andere Finanzdienstleister zurückgreifen können.

Das geschätzte Kundenpotenzial von Samsung Pay dürfte in Deutschland bei gut 20 Millionen liegen. Das ergibt sich für einen potenziellen Kunden aus der Nutzung von einigermaßen modernen Smartphones dieser Marke und der Inanspruchnahme eines eigenen konventionellen Bankkontos.

Die „Hochzeit“ zwischen Samsung und Solarisbank auf dem Mobile Payment-Markt ist aber für Insider alles andere als ein Zufall: Ende Juni verkündeten die Berliner ein 60-Millionen Funding. Und – als hätte man es geahnt – Samsung gehörte zu den neuen Investoren! Diese Insider verkünden unter vorgehaltener Hand, dass im Rennen um den Samsung-Deal auch die Kombination Mastercard mit Wirecard ganz gut im Rennen lag, bevor sich die Münchner quasi selbst pulverisierten.

Apropos: Unscheinbar aber strategisch clever arbeiten sich die Schweizer der weeGroup mit ihrer operativen Europazentrale in der Münchner Parkstadt-Schwabing immer stärker in den lukrativen Mobile Payment-Markt. Aus dem ursprünglichen Cashback-System wee, das mit lukrativen Rabatten beim Einkaufen im stationären Einzelhandel und im eigenen Online-Portal wirbt, ist jetzt gerade ein ernstzunehmendes Mobile Payment-Produkt mit integrierten Banking-Services und ausgewiesenen Vorteilen für die Nutzer geworden. Mit diesem System und dem Partner Mangopay an der Seite, ist wee dabei, in über 120 Ländern weltweit seine digitalen Payment-Dienste erfolgreich anbieten zu können. Vertriebstechnisch effektiv setzt wee auf die etablierte Klientel der stationären Einzelhändler, die das neue Zahlungssystem nutzen möchten und an ihre Kunden zur Nutzung weiterempfehlen.