Sparkassen-Kunden können in Deutschland bald mit Apple-Watch und iPhone bezahlen.
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Girocard und Apple Pay – weePay mit e-Money-Lizenz

Auf die Weltwirtschaft wirkt der Coronavirus wie ein Tsunami: Sämtliche Branchen sind von der Pandemie betroffen, manche immer noch komplett lahmgelegt. Es gibt wenige Ausnahmen, die nicht in Schockstarre verharren müssen – dazu gehört der Mobile-Payment-Markt. Denn bargeldloses und kontaktloses Bezahlen ist aus Hygienegründen aktuell nicht nur an den Kassen der Supermärkte erwünscht. Auch an den Theken im Einzelhandel, beim Bezahlen in der Gastronomie und der Hotellerie soll das Infektionsrisiko möglichst geringgehalten werden. Bargeldloses Bezahlen ist deshalb Trumpf! 

Schon vor Corona-Zeiten war Mobile Payment auf der Erfolgsspur, auch in Deutschland – unabhängig von Vorurteilen gegenüber digitalem Bezahlen, die im Gegensatz zur Einstellung der Bevölkerung in Asien oder in den nordeuropäischen Staaten stehen. Laut Markterhebungen der EURO Kartensysteme GmbH gab es in Deutschland mit der Girocard 2019 trotz aller Vorbehalte 4,5 Milliarden Transaktionen, ein Plus von 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die mit dieser Plastikkarte erzielten Umsätze beim bargeldlosen Bezahlen stiegen im Vergleichszeitraum von 187,4 Milliarden Euro um 12,6 Prozent auf 211 Milliarden Euro. In derselben Umfrage gaben 42 Prozent der Befragten an, dass sie sehr großes Interesse an einer digitalen Karte im Smartphone haben. Die Bandbreite digitaler Zahlungsmethoden hat sich in den letzten Jahren weltweit vervielfacht. In China haben sich Mobile Payment-Anbieter wie Alipay (Alibaba) oder Tenpay (Tencent) inzwischen fest etabliert. Die Initiative deutsche Zahlungssysteme e.V. veröffentlichte jüngst eine Umfrage zur Zukunft des Bezahlwesens im Jahre 2040. Dabei meinten 37 Prozent der Befragten auch weiterhin bar bezahlen zu wollen, 21 Prozent schwören auf die Girocard, 11 Prozent auf Kreditkarten, 12 Prozent präferieren Payment mit dem Smartphone und 15 Prozent meinen, mit biometrischen Daten bezahlen zu können.

Sparkassen und Girocard feiern Hochzeit mit Apple-Payment

Der Markt ist in Bewegung: So haben die sonst so konservativen deutschen Sparkassen gerade beschlossen, dass ihre Kunden für Zahlungen mit Apple Pay die populäre Girocard – früher EC-Card – nutzen können. Bisher ließ sich das populärste Smartphone-Bezahlverfahren nur mit einer Kredit- oder Debitkarte von beispielweise Mastercard oder Visa nutzen. Aber schon bald, im Spätsommer dieses Jahres, können Sparkassenkunden problemlos mit dem iPhone oder der Computer-Uhr Apple Watch bezahlen, exakt wie mit einer kontaktlosen Karte. Das Sicherheitskonzept zur Vermeidung von Betrug ist einfach, laut Experten aber effektiv. Der Kunde gibt seine Transaktionen mittels iPhone-Gesichtserkennung Face ID oder über den Fingerabdruck-Scanner frei. Für die reibungslose technologische Umsetzung des mobilen Bezahlens sorgt ein NFC-Chip sowohl im iPhone als auch in der Apple Watch. Apple-Gründer Steve Jobs hätte sicher viel Spaß bei der Diversifizierung seiner Vision in den lukrativen Finanzdienstleistungssektor.

An den Kassen der Supermärkte und im Einzelhandel ist seit der Pandemie Bargeld aus Hygienegründen nicht mehr gewünscht.
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Die nahezu vollumfängliche Ausbreitung von kontaktlosen Bezahlterminals im deutschen Handel hängt direkt mit der Bestückung von Sparkassen-Kunden mit kontaktlosen Girocards zusammen. Gut 40 Millionen Girocards, das entspricht rund 96 Prozent, sind bereits mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet. Von dieser technischen Infrastruktur profitieren jetzt Apple Pay und Google Pay.

wee-Mobile Payment und – Cashback mit Mobile Banking-Services

Auch der Schweizer Mobile Payment- und Cashback-Anbieter wee ist gerade aktiv dabei, neue Märkte erfolgreich zu erobern, um die Vision des charismatischen Founders, Cengiz Ehliz, umzusetzen. Kernzielgruppe ist der von der Corona-Krise stark gebeutelte stationäre Einzelhandel und dessen Kunden. Für Aufmerksamkeit sorgt aktuell die Kampagne „wee hilft dem Einzelhandel“, im Rahmen derer sich jeder Einzelhändler kostenlos digitalisieren lassen kann. Die weeMarketplace AG, deren Mutter die Swiss Fintec Invest AG ist, hat ihr etabliertes System erfolgreich mit einer e-Money-Lizenz aufgeladen, um weePayment als Alternative zu gängigen Payment-Anbietern wie Mastercard, Visa oder American Express gewährleisten zu können. Das bedeutet für die angeschlossenen Einzelhändler: Sie werden über die weeApp mit ihren Produkten und Leistungen digital sichtbar gemacht und über wee als lokale Suchmaschine des Einzelhandels zusätzlichen Kunden empfohlen. Die Nutzung des Payment-Systems via App oder Karte ist weitestgehend kostenfrei und insofern günstiger als bei etablierten Kreditkartenanbietern oder der Eurocard. Der Shop als Kunde von wee bezahlt mit Rabatten von bis zu 10 Prozent, die als sogenannte wee an seine Kunden weitergegeben werden. Die Höhe der Rabatte entscheidet jeder Partner von wee individuell und ohne Direktiven. 30 Prozent dieses Cashbacks „on top“ erhält der nun eigenständige Zahlungsdienstleister als Obolus, woran der Händler – mit einem lukrativen Rückfluss – wiederum beteiligt ist.

weePay bald auf Augenhöhe mit marktführenden Payment-Anbietern?
(Quelle: Facebook)

Der Endverbraucher als Kunde des Einzelhändlers kann jetzt über den kostenlosen Download der App und die entsprechende Registrierung mit KYC-Prozess (Know your Customer) problemlos Geld von seiner Kreditkarte oder mittels Überweisung aufladen, um dann mit der App im angeschlossenen Einzelhandel zu bezahlen, um mit jedem Einkauf wiederum Cashback zu sammeln. Das wee-Guthaben – ein wee ist ein Euro – kann der Nutzer ohne Gebühren direkt auf sein Girokonto überweisen. Kontaktloses und bargeldloses Bezahlen mit wee erfolgt in Echtzeit. Das international ausgerichtete System ermöglicht kostenlose Zahlungstransfers von Nutzern innerhalb der eigenen technologischen Infrastruktur.

Von der Vision über das Konzept zum nachhaltigen Projekt

Laut eigenen Angaben will die weeMarketplace AG in den nächsten zwei Jahren ca. 170.000 neue Einzelhändler in europaweit 50 neuen Markteinstiegsregionen für wee Mobile Payment und Cashback gewinnen, so der ehrgeizige Plan. Neben dem bisherigen Kernmarkt Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen jetzt ergänzend Regionen in Slowenien, der Slowakei, Frankreich, Belgien und in Großbritannien im Fokus. Man mag sich kaum vorstellen, was passiert, wenn sich die Marktstrategie der Schweizer nach der Pandemie in voller Blüte entfaltet. Im Kern, so die Vorstellung, sollen je lokalem und regionalem Markt durchschnittlich 3.000 Geschäfte mit der jeweils führenden Arena vor Ort und dem eigenen E-Commerce vernetzt werden. Vernetzt werden heißt: Integration in die technologische wee-Infrastruktur und Aktivierung von wee-Payment mittels der weeApp oder der weeCard. Man braucht wenig Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Fans der Clubs, die in den Arenen ihren Idolen zujubeln, mit beim Konsum im Stadion gesammelten wee fast selbstverständlich zu Kunden von weePartnern im Einzelhandel werden und darüber hinaus mit e-Shopping in den gut 1.400 Onlineshops von wee.com als Konsumenten unterwegs sind. Integriert sein bedeutet für den Einzelhändler, den Dienstleister, den Gastronomiebetrieb oder das Hotel: Über Push-Meldungen und Newsletter kann der Partner von wee alle beteiligten Endverbraucher als potenzielle Nutzer über seine Produkte, Leistungen und Angebote informieren, dabei aktiv das Einkaufsverhalten steuern und zusätzlichen Umsatz für sich generieren. Zugute kommt wee, dass alle relevanten Kartenlesegerät-Hersteller perspektivisch die Schnittstelle zum Lesen von QR-Codes öffnen werden, was wee-Payment in die Karten spielt, da die App und Karte mit entsprechend individuellen QR-Codes funktioniert.