Whitepaper für den Krypto-Börsengang: Versprechen für Anleger auf die Zukunft.
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Goldgräberstimmung ist verflogen – nachhaltige Konzepte zählen

Der Bitcoin war der Trendsetter und Marketmaker für den weltweiten Hype um Kryptowährungen. Seriöse Teilnehmer im Markt haben seit einiger Zeit erhebliche Probleme: Denn Betrüger versuchen immer noch Goldgräber-Stimmung zu erzeugen, um mit Fake-Angeboten rund um Bitcoin, Ethereum, Ripple, Cardano & Co. Kasse zu machen. Die schwarzen Schafe im Markt – unseriöse Unternehmen oder Privatpersonen – nutzen dabei verstärkt die sozialen Netze, um ihre dubiosen Geschäfte zu promoten. Dabei werden Facebook-Gruppen, Instagram, Messenger-Dienste oder E-Mails genutzt bzw. verschickt, die mit entsprechenden Websites verlinkt sind. Sie verpesten die Anlegerluft für seriöse und erfolgreiche Krypto-Börsengänge.

Der NXT-ICO gilt als „bärenstark“, er fand statt auf der Basis einer Investoren-Akquise mit 21 Bitcoin. Der damalige Wert: 16.800 US-Dollar. In das Projekt integriert waren namhafte Entwickler, die später eigene Projekte starteten, beispielsweise unter den „Künstlernamen“ JI777 oder Sergey Ivancheglo aka Come from Beyond (cfb) von Iota. Der Ausgabe-Token kostete 2013 lächerliche 0,0000168 US-Dollar. Mit dem Allzeithoch und dabei einem Kursanstieg auf 2,15 US-Dollar konnten NXT und die Anleger eine 120.000-fache Wertsteigerung verbuchen. Der Wertzuwachs bis heute entspricht 222.000 Prozent.

Das Allzeithoch von Ethereum betrug im Januar 2018 1.417 US-Dollar. Im Rahmen des ICO 2014 konnten für 11,9 Millionen US-Dollar Token verkauft werden. Kurs beim Initial-Listing: 0,311 US-Dollar!

Neue Bestimmungen der Gesetzgeber regeln verstärkt den Krypto-Markt

Der Markt hat sich seit 2018 etwas beruhigt, gute ICOs sind eher die Seltenheit. Nicht zuletzt auch, weil es die regulatorischen Vorgaben sehr schwer machen, überhaupt einen ICO (Initial Coin Offering) oder IEO (Initial Exchange Offering) realisiert zu bekommen. Nur wer ein nachhaltiges Konzept für die Akzeptanz von – im nächsten Schritt – Utility-Token vorweisen kann, hat Chancen auf Erfolg. Viele Banken arbeiten derzeit aktiv am Thema Blockchain-Technologie, denn das klassische Banking hat in Zeiten von Smartphone, Bitcoin und Prozess-Schnelligkeit in der nächsten Generation ausgedient.

Die Schweizer weeNexx AG konnte ihren weeMAT-Token Anfang des Jahres erfolgreich an zwei führenden Kryptobörsen listen. Auf zwei Handelsplattformen, der ProBit und der Bitforex, gleichzeitig zu performen, hat sich aus zwei Gründen nicht erfolgreich realisieren lassen. Einerseits, so informierten die weeNexx AG und ihre Muttergesellschaft, die Schweizer Swiss Fintec Invest AG, kürzlich, haben zu viele Investoren sofort nach den Listings verkauft. Gekoppelt mit den allgemeinen Kurseinbrüchen, geschuldet der Coronakrise, wollte und konnte man die geplanten Market-Making-Maßnahmen nicht aktivieren. Denn, so lässt sich interpretieren: Man hätte viel Geld in die Stützung von Kursen investiert, um diejenigen zu belohnen, die dann diese gestürzten Kurse zum subventionierten Verkauf nutzen. Der Kursabsturz war tragisch, inzwischen erholt sich der Kurs schrittweise auf niedrigem Niveau.

Langfristiges Businessmodell anstatt schnellem Kursgewinn

Strategisches Ziel ist es, einen Utitity-Token als Stable Coin zu entwickeln und zu implementieren, der perspektivisch als Blockchain-basiertes Bezahlsystem genutzt werden soll. Aktuell haben die Mobile Payment- und Cashback-Anbieter ihr System mit einer E-Money-Lizenz aufgeladen, was Mobile Payment um Mobile Banking-Services ergänzen soll. Nach eigenen Angaben und gemäß Vorstellung von wee-Founder Cengiz Ehliz möchte man mittelfristig zusätzlich 180.000 Akzeptanzstellen im europäischen Einzelhandel und gut fünf Millionen Konsumenten in die als wee benannte Infrastruktur integrieren. Dabei fungiert die hauseigene App als Suchmaschine für den lokalen Einzelhandel. Mit dieser lässt sich, so der Plan, ganz normal bargeldlos bezahlen, Cashback sammeln und wee „als Geld“ in Echtzeit transferieren.

Immer noch im Netz: Promotion der selbsternannten Krypto-Queen im Londoner Wembley-Stadion. (Quelle YouTube)

Ein Genie in der Vermarktung einer Kryptowährung war die Gründerin von Onecoin, Dr. Ruja Ignatova. 2016 versprach sie ihrer Community vollmundig, dass innerhalb von zwei Jahren „über eine Million Händler Onecoin als virtuelle Währung akzeptieren werden“. Die Fans der selbsternannten Krypto-Queen glaubten selig an ihre Botschaften: Die Kryptowährung Onecoin werde der Bitcoin-Killer – ihre neue, hauseigene virtuelle Währung werde die mit den weltweit meisten Transaktionen sein. Die promovierte Juristin mit Studium in Konstanz und Oxford transportierte durch ihre einwandfreie Reputation jede Menge Vertrauen. Ihr Vermarktungsgenie stellte sie als Motivatorin bei Live-Events vor zigtausend Gästen und mit bemerkenswerten Präsentationen auf ihrem YouTube-Channel eindrucksvoll unter Beweis. Viele Anleger wollten sich den verpassten Einstieg beim Bitcoin nicht noch einmal entgehen lassen. Jetzt bot sich vermeintlich die einzigartige Chance Verpasstes nachzuholen und zum richtigen Zeitpunkt einzusteigen, um richtig abzusahnen, endlich Millionär zu werden. Der Kurs des Onecoin wurde manipuliert, stieg innerhalb von 8 Monaten im Jahre 2015 von 50 Cent auf ca. 2 Euro. Ignatova hat den bisher größten Krypto-Betrug weltweit realisiert. Noch heute werden von Vertrieblern wertlose Coins Privatanlegern angeboten.

Die promovierte Krypto-Queen reißt hunderttausende Anleger in den Abgrund

Wie konnte das passieren? Zum damaligen Zeitpunkt war Regulierung wie an den konventionellen Börsen noch ein Fremdwort. Beim Initial Coin Offering (ICO) – vergleichbar mit einem klassischen Börsengang (IPO) – werden Coins oder Token angeboten, die später mit der angedachten Kryptowährung getauscht werden können. Onecoin hatte weder eine eigene Blockchain, noch konnte man Coins oder Token direkt kaufen. Die Anleger investierten in „Bildungspakete“, die eine festgeschriebene Summe an Token erhielten. Mit diesen Token, so das Unternehmen, könne man über die hauseigenen Server mittels Blockchain die Onecoin minen. Der Motivationstrick für die Anleger: Wer früher einsteigt erhält mehr Token! Die Erklärung zum angepriesenen Kursanstieg klang logisch: Je mehr Anleger einsteigen, desto schneller und besser steigt der Kurs. Im Nachhinein bleibt festzustellen, dass das angepriesene Mining nur professionell simuliert wurde.

Ein Ausmaß des Schadens kann vollumfänglich nur erahnt werden. Das Finanzmedium Capital kolportiert eine Schadensumme von 3,3 Milliarden Euro, die Anleger in das Produkt investiert hätten. Fazit: Totalschaden! Bis Ende 2016 hat die in Greven, Deutschland, ansässige Firma International Marketing Services GmbH rund 360 Millionen Euro für Onecoin eingesammelt. 29 Millionen konnte die BaFin einige Zeit später noch sicherstellen. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld. Ob die Onecoin-Geschädigten jemals ihr Geld zurück bekommen, ist mehr als fraglich!

Nachdenken – entscheiden – investieren

Die Verbraucherschutzzentralen warnen eindringlich vor Angeboten von Krypto-Anbietern, die mit übertriebenen Renditeversprechen locken, ihren Stammsitz meist auf karibischen Inseln im Ausland haben, zur weiteren Anwerbung von Freunden auffordern, kein Impressum auf der Website ausweisen, mangelnde Transparenz beim Geschäftsmodell zeigen und mittels Messages oder Mails unaufgefordert kontaktieren.