Durch industrielle Produktion werden weltweit jährlich ca. 2.500 Tonnen Gold gewonnen.
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Experten warnen vor mangelhaften Renditen beim Investment

Das Edelmetall Gold ist für Anleger reizvoller denn je. Im August 2020 erzielten die Goldpreise neue Rekordwerte. Wer hier investieren möchte hat die Qual der Wahl: Soll man sein Geld in Goldbarren, Münzen oder Wertpapiere anlegen, die an die Goldpreisentwicklung gekoppelt sind?

Gold ist seit Jahrtausenden ein etabliertes Zahlungsmittel und Wertanlage-Objekt. Im alten Ägypten wurde Gold aufgrund seiner Ästhetik zum Kennzeichen der Könige. In der Antike wurde Gold wegen seiner Formbarkeit und des Glanzes in Schmuck und Münzen verarbeitet. Alle frühen Papierwährungen waren bis weit ins 20. Jahrhundert mit Gold hinterlegt. Rein theoretisch hätte man damals sein Papiergeld gegen die adäquate Menge an Gold eintauschen können.

Die Deutschen lieben das gelbe Edelmetall

Die heute größten Goldlagerstätten sind in China, Australien, den USA, Südafrika und Russland. Die Förderung von Gold aus der Erdkruste erfolgt weitestgehend in Minen, ist aufwändig und teuer. Beim professionellen Mining beträgt der Goldanteil mehrere Gramm pro Tonne bewegtem Gestein. Die derzeit identifizierbare Menge an Gold beträgt ca. 175.000 Tonnen weltweit. Pro Jahr werden ungefähr 2.500 Tonnen Gold gefördert.

Bei den Deutschen besitzt Gold gerade in Krisenzeiten einen herausragenden Ruf. Mehr als 75 Prozent besitzen, in welcher Form auch immer, dieses Edelmetall. Ein Vergleich zur Beliebtheit fasziniert: Gut 6,5 Prozent der weltweiten Bestände von Gold befinden sich in deutschem Besitz – das ist mehr als in den Schatzkammern der US-Notenbank. Die Corona-Ängste haben den Goldpreis auf ein Rekordhoch gepusht: Eine Feinunze Gold, das sind ca. 31,1 Gramm, kostet nun 2.063 US-Dollar, womit Gold seinen Wert seit Jahresbeginn um ein Drittel gesteigert hat. Der Goldpreis-Richtwert wird täglich zweimal im sogenannten Goldfixing ermittelt.

Goldpreis steigt trotz mangelnder Renditeaussichten

Aber nicht nur die Verwerfungen der Pandemie, von der die globalen Finanzmärkte negativ betroffen sind, haben zum Run auf Gold geführt. Es sind auch die über längere Zeit drohenden niedrigen Zinsen, die Anleger motivieren, mit dem Geld vom Festgeldkonto oder dem Sparbuch Gold zu kaufen. Beim Gold steuert die Nachfrage den Preis, denn Gold hat keine originären Weiterentwicklungschancen wie beispielsweise Aktien, die den Erfolg eines Unternehmens abbilden. Insofern erwirtschaftet Gold keine laufenden Erträge. Als gekaufter Rohstoff erzielt dieses Investment keine Gewinne wie Unternehmen, die börsennotiert sind, in die Aktionäre investieren. Renditen lassen sich nur erzielen, wenn der Preis beim Verkauf höher ist als beim Ankauf. Als Käufer oder Investor lassen sich im Gegensatz zu Aktien keine Dividenden, im Gegensatz zu Immobilien keine Mieten und nicht wie bei Anleihen als Ertrag Zinsen erzielen.

Allerdings bietet Gold ein Stück Sicherheit vor der Inflation. Das bedeutet aber nicht, dass Gold frei ist von Währungsrisiken: Denn Gold wird in den USA gehandelt. Wer also Gold verkauft, erhält seinen Verkaufspreis zunächst in US-Dollar, der dann in Euro oder andere Währungen umgerechnet wird. Wird also der US-Dollar abgewertet, hat das negative Auswirkungen auf den Wert des Goldes, was natürlich umgekehrt gleichermaßen gilt.

Goldbarren oder Anlagemünzen kaufen?

Gold zu kaufen ist auch für Einsteiger einfach und sicher, wenn man etablierte Sicherheitsstandards beachtet. So sollte man Goldbarren nur mit einem Feingoldgehalt von 99,9 Prozent kaufen, an besten zertifiziert von der London Bullion Association (LBMA). Beim Münzkauf sollte der Anleger unbedingt darauf achten, dass es sich beim geprägten Gold um Anlagemünzen wie den Krügerrand, Eagle, Maple Leaf, Britannia oder Wiener Philharmoniker handelt. Finanzexperten raten bei Gold zu einem Invest in Höhe von rund 10 Prozent des Gesamtvermögens. Dabei geht es im Wesentlichen darum, das Risiko von Verlusten beim eigenen Geld bzw. den entsprechenden Anlagen zu mindern.

Aber Gold ist teuer: Denn die Nachfrage ist groß, nicht nur von Privatanlegern, sondern auch von Staaten wie beispielsweise aktuell China. Gold zu kaufen ist teurer als der angegebene Wert an der Börse, denn hier – im Gegensatz zum Aktienkauf – fallen die Aufschläge beim Kaufen und die Gebühren recht hoch aus. Neben den Zentralbanken kaufen die Schmuckindustrie, Investoren und die Elektroindustrie die größten Mengen an Gold. Hauptabnehmer in der Schmuckindustrie sind aufgrund des kulturellen Hintergrunds die Länder Indien und China.

Beliebtheit von Gold trotzt alternativ erfolgreichen Anlegemodellen

Weltweit die größten Goldreserven haben die USA mit über 8.000 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit rund 3.370 Tonnen und dem International Monetary Fund mit knapp über 2.800 Tonnen.

Eine Garantie für steigende Goldpreise gibt es nicht, auch wenn das Edelmetall nur begrenzt gefunden wird und gefördert werden kann. Der Investor muss immer auf eine Nachfrage im Markt hoffen, damit die Preise steigen, was meist in Krisensituationen wie Kriegen oder im Rahmen der aktuellen Pandemie der Fall ist.

Beliebtheit von Gold: Bei der Markteinführung des Mobile Payment- und Cashback-Systems wee in München errichteten die Schweizer von der weeConomy AG einen riesigen Sandberg, in dem die Besucher nach Goldbarren buddeln konnten. Die Aktion war in aller Munde – über 14.000 Gäste versuchten Gold im Wert von 100.000 Euro zu finden.
(Fotos: weeConomy AG)

Vergleicht man die Entwicklung von Gold und Aktien, ist festzustellen: Bei einem Invest von 1.000 US-Dollar im Jahre 2009 kann der Anleger 10 Jahre später gut 1.400 US-Dollar an Wert verbuchen. Das entspricht einer Steigerung von ca. 40 Prozent. Bei einer Investition derselben Summe in den richtigen Aktienmix – wie beispielsweise den MSCI World Total Return Index – hätte man ein Plus von gut 220 Prozent erzielt.

Warren Buffett, der weltweit wohl erfolgreichste Investor aller Zeiten, sieht Gold als Investment kritisch. Er soll gesagt haben: „Erst wird Gold in Afrika oder sonst wo ausgegraben, dann schmilzt man es zu einem Klumpen, versteckt es irgendwo und bezahlt Leute, die es bewachen. Dabei ist Gold einfach unnütz. Wenn Marsmenschen das sähen, sie würden sich am Kopf kratzen.“