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Deutsches Biotech-Unternehmen auf der Überholspur

Bio-was? Ganz genau hinhören, ganz genau lesen: BioNtech heißt seit einigen Wochen der Börsenstar aus Mainz, der im Kopfkino von Analysten, professionellen Anlegern und Otto-Normalverbrauchern einen Börsen-Blockbuster mit einem mega-starken Bullen entstehen lässt.

Das Unternehmen hat ca. 1.100 Mitarbeiter und verfolgt das Ziel, die komplette Wertschöpfungskette eines neuen, innovativen Produkt- und Leistungsspektrums erfolgreich im Markt, einem Mega-Markt, zu implementieren. Die Aktivitäten reichen von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Produktion und zum Vertrieb. Inhaltlicher Kern der Unternehmensaktivitäten ist die Entwicklung und Herstellung von Immuntherapien für einen patientenspezifischen Ansatz zur Behandlung von Krebs und anderen schweren Krankheiten.

Gut gelaunt über den bisherigen Erfolg: Ugur Sahin, CEO BioNTech (Quelle BioNTech)

Aber der Reihe nach: Im Oktober 2019 ging das deutsche Biotech-Unternehmen an die Börse. Dabei wählte man gezielt die US-Technologiebörse NASDAQ aus. Die für 15 US Dollar angebotenen Aktien gingen weg wie warme Semmeln, schossen durch die Decke! Zu Beginn des Jahres lag der Kurs bei 225 US-Dollar pro Aktie, das macht ein sattes Plus von 225 Prozent.

Durch Gewinnmitnahmen ist der Kurs inzwischen wieder um gut ein Viertel des Allzeithochs gefallen, aber aus der Sicht der Analysten ist hier immer noch jede Menge Musik drin. Das Unternehmen BioNTech steckt noch in den Kinderschuhen – und genau deswegen ist nicht so richtig erkennbar, ob tatsächlich bahnbrechende Medikamente und Behandlungsarten hinter den Patenten stecken oder die Phantasie wieder einmal größer als die Realität ist.

BioNtech verkörpert die Hoffnung, erfolgreich gegen den Krebs – größte Geißel der Menschheit – ankämpfen zu können. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern verfolgen die Mainzer einen revolutionären Ansatz: Schmerzhafte Chemotherapien und Bestrahlungen von Krebspatienten sollen schon bald der Vergangenheit angehören. BioNTech möchte die Immunabwehr im Körper navigieren – und zwar so, dass der Tumor aus der eigenen Kraft heraus effektiv bekämpft wird. Sogenannte Botenmoleküle werden verändert. Dies führt zur Steuerung von genetischen Informationen an die körpereigenen Zellen, die motiviert werden Proteine herzustellen, die Tumorzellen und Krankheitserreger bekämpfen.

Das Marktpotenzial ist gigantisch – ca. 90 Milliarden Euro werden jährlich weltweit für die Behandlung von Tumoren ausgegeben. Greift der strategische Ansatz von BioNTech, könnten genaue Diagnosen auf der Basis von lapidaren Bluttests erstellt werden, im nächsten Schritt könnte dann die innovative und in Relation kostengünstige Behandlungsmethode der Mainzer zum Einsatz kommen, die wiederum teure konventionelle Behandlungen und Therapien ersetzen würde.

Erst in den nächsten Jahren wird sich erweisen, ob die intensiven Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die aktuell jede Menge Geld kosten und das Unternehmen rote Zahlen schreiben lässt, zum erhofften Erfolg führen.

Beim Börsengang wurde das Unternehmen mit sage und schreibe 2,9 Milliarden Euro bewertet. Und das bei einem Umsatz von 128 Millionen Euro, der für 2018 ausgewiesen wurde. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei ca. 7,5 Milliarden Euro – womit das Unternehmen einen höheren Börsenwert als Lufthansa oder Metro hat.