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Nicht nur bei Partys bringt flaschenpost.de schnell Nachschub nach Hause.

Innovativer Getränkehandel vergoldet Geschäftsidee und wird Startup-Hotspot

Bisher dachte man bei „Flaschenpost“ an die Literaturgestalt Robinson Crusoe, der, gestrandet auf einer einsamen Insel, seine Koordinaten aufschreibt, in eine leere Flasche steckt, auf die Meeresströme hofft… Der inbrünstig darum bittet, dass ein menschliches Wesen diese Flasche mit seiner Nachricht irgendwann findet, den Hilferuf liest, ihn sucht und schließlich auch findet.

„Flaschenpost“ heute steht für ein Startup, das vor vier Jahren in Münster als Getränkelieferant gegründet wurde. Und dann wuchs, mächtig expandierte, jetzt bei einem Mega-Deal an Dr. Oetker aus Bielefeld verkauft wurde… 7.000 Mitarbeiter erwirtschaften aktuell einen Jahresumsatz von ca. 200 Millionen Euro. Gründer Dieter Büchl zog sich 2018 nach Umfirmierung der GmbH in eine AG aus dem operativen Geschäft zurück und kontrolliert heute als Vorsitzender im Aufsichtsrat.

Aber der Reihe nach: Der Kaufpreis für das junge Unternehmen, das in 100 Städten Deutschlands seine Produkte und Dienstleistungen erfolgreich anbietet, soll – so wird kolportiert – für rund eine Milliarde Euro verkauft worden sein. Eine Entscheidung des Kartellamtes steht noch aus.

Drei Gründe stehen für den Lebensmittel-Konzern Dr. Oetker wohl für diese Kaufentscheidung: Erstens war die „Flaschenpost“ erheblich besser und erfolgreicher als die Konzerntochter „Durstexpress.“ Zweitens hat der lifestylige Lieferservice, bei dem der Kunde online bestellt, durchweg gehalten, was er in seiner Werbung verspricht: „Wir liefern überall bestellte Getränke in 120 Minuten an!“ Die Corona-Pandemie und der Umsatz-Boost bei Lieferservices, insbesondere bei flaschenpost.de, haben eindrucksvoll bewiesen, dass die Lieferung von Getränken nach Hause ein noch zu wenig etabliertes Geschäftsfeld darstellt.

Und was versprechen sich die Ostwestfalen aus Bielefeld von der neuen Marke im Portfolio? Die Strategie liegt auf der Hand: Einerseits möchte man sein eigenes Getränkeportfolio ausbauen und über die weitergehende Expansion von flaschenpost.de kapitalisieren. Logischerweise heißt dann ein Bier Radeberger Pils – denn die Brauerei gehört Dr. Oetker und hat bald einen zusätzlichen Absatzkanal.

Wenn der Point of Sale das Internet und die Türschwelle zum Kunden ist, spricht sicher nichts dagegen, auch eigene Backwaren, Desserts und Eis zu verkaufen. Ob das die eingesetzte Milliarde Euro für „Lieferando 3.0“ – einen Bringservice mit hauseigenen Produkten und Eigenmarken – rechtfertigt, bleibt indes offen…