FC Liverpool und FC Bayern München: Flaggschiffe im europäischen Profi-Fußball und bei der Stadion-Digitalisierung.
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Kürzlich hat der Champions-League-Sieger FC Liverpool stolz verkündet, sein legendäres Stadion an der Anfield Road, schrittweise zu digitalisieren und auf bargeldlose Bezahlprozesse umzurüsten. Was außerhalb der Arena an Kiosken, Bars und bei Gastronomiebetrieben bereits reibungslos funktioniert, soll jetzt schrittweise auch innerhalb der Arena realisiert werden. Akzeptiert werden nun alle gängigen kontaktlosen Debit- und Kreditkarten, wobei Chip und Pin für Einkäufe über 30 Pfund gelten. Die schrittweise Umstrukturierung auf Mobile Payment berücksichtigt auch Apple Pay und Google Pay. Die Münchner Bayern setzen auf die HypoVereinsbank, Telekom und Apple Pay. Und in der beschaulichen Schweizer Romandie setzt der FC Sion einen einzigartigen Meilenstein!

Weitestgehend alle Profi-Clubs in unterschiedlichsten Sportarten oder die Stadionbetreiber haben inzwischen verstanden, dass Mobile Payment in ihrer Arena die Prozesse erheblich beschleunigt: Wesentlich hierbei ist das Catering – so sollen für die Fans Wartezeiten an den Catering-Touchpoints verringert und dadurch der Durchlauf an Getränken und Snacks erhöht werden.

Mit Digitalisierung beim Stadion-Catering 20% mehr Einnahmen erzielen

An der Anfield Road möchte man das Tagesergebnis beim Food-Konsum um bis zu 20% verbessern. Das bedeutet: Bei geschätzten 50.000 Zuschauern und einem durchschnittlichen Konsum von Waren in Höhe von konservativ geschätzt 20 Euro, ergibt sich ein Umsatz pro Heimspiel von gut einer Million Euro. Ein Plus von 18 % resultiert dann in satten 180.000 Euro. Bei 40 meist ausverkauften Spielen im Fußball-Tempel – Premiere League, Champions-League, FA Cup, Ligapokal, Freundschaftsspiele – macht das über die Saison gerechnet ein strategisch geplantes Plus von über sieben Millionen Euro. Bei gängigen Transfervolumina mit Investitionen von durchschnittlich 30 Millionen Euro für Stammspieler in Englands erster Liga ist das zwar im Vergleich ein „Klacks“ zum Gesamtwert der „Reds“ von über einer Milliarde Euro, aber diese zusätzliche Liquidität zu haben, schafft im operativen Business ein gutes Stück mehr betriebswirtschaftliche Sicherheit. Noch ein anderer Grund motiviert den Club für bargeldloses Bezahlen: Die Hygiene-Standards allgemein und insbesondere für Personal steigen kontinuierlich, was dem gelebten Standard widerspricht, denn das Servicepersonal kommt gleichermaßen mit Bargeld und Lebensmitteln in Kontakt, was ein gesundheitliches Problem für Fans und Mitarbeiter darstellt…

Für die Fans bietet der Club einen besonderen Service, den man bereits aus den Profi-Ligen in den USA oder auch von beispielsweise verschiedenen Fast-Food-Ketten kennt. Mit einer individualisierten App bestellt der Fan bereits lange vor der Halbzeitpause, umgeht somit lange Warteschlangen und holt dann seine Ware an der Ausgabestelle in seinem Block ab.

FC Liverpool toleriert weiterhin Bargeld

Paul Cuttill, Vice President Stadionbetrieb, möchte allerdings für seinen FC Liverpool den radikalsten Schritt vermeiden: nur noch Mobile Payment ohne Bargeld für den Konsum im Stadion! Damit würde man treue Fans vergraulen, die auch weiter mit Bargeld bezahlen möchten. Dementsprechend wird man dieser Klientel auch weiterhin mit einer ausreichenden Anzahl an Kiosken gerecht, in der Überzeugung, dass eine langfristige Evolution beim Kaufverhalten der Fans das Bargeld von selbst ablöst.

In der Münchner Allianz Arena ist die Situation 45 Minuten nach Spielbeginn vergleichbar: 10.000 Fans strömen zu den 28 Kiosken, um in 15 Minuten Halbzeitpause Bratwurst, Pizza, Bier oder Kaffee zu konsumieren. Andreas Jung, der Marketing-Vorstand beim FC Bayern München, ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung alle Prozesse im Stadion enorm beschleunigt. Die HypoVereinsbank (HVB) ist der Partner bei Digitalisierung und Mobile Payment mit dem Apple Pay-System. Die Telekom, Hauptsponsor der Bayern, hat die WLAN-Leistungen kräftig erhöht, um die 250 kontaktlosen Bezahlscanner mit Apple Pay zu vernetzen. Laut HVB verfügt die Allianz Arena über eines der modernsten Payment-Systeme eines Fußballstadions, mit der reibungslosen Umsetzung von bis zu 30.000 Bezahlvorgängen pro Spieltag. Die Fans können mit dem Smartphone, der Debitkarte oder einer Kreditkarte bezahlen – auch kontaktlos. Sogar das Pfand für Mehrwegbecher wird dank der Terminals überall erstattet. Im nächsten Schritt der Digitalisierung soll der Zugang in die Parkhäuser erleichtert werden: mittels Scannens der Autokennzeichen!

Der 1. FC Köln gilt als Vorreiter bei der Stadion-Digitalisierung: Im RheinEnergieStadion kommt das System Bluecode zum Einsatz, das Mobile Payment wird mit Fanbindung in einer App kombiniert.

Der Schweizer Erstligist FC Sion digitalisiert das Stade de Tourbillon und vernetzt die technologische Infrastruktur mit dem Walliser Einzelhandel.
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Fast lautlos entwickelt sich das Mobile Payment-Produkt der Schweizer weeConomy AG. Bargeldloses Bezahlen wird dabei mit Cashback vernetzt. In der eigenen Bad Tölzer weeArena hat das System den Proof of Concept geliefert, nämlich als weltweit erstes offenes Stadion-Bezahlsystem. Das bedeutet: wee digitalisiert den regionalen Einzelhandel rund um die Arena und macht diesen auf einer App sichtbar. Mit dieser Strategie führt der Anbieter dem lokalen Einzelhandel neue Kunden zu. Diese erhalten Rabatte, die als wee gesammelt werden. So entspricht ein wee einem Euro. Mit der Stadion-Digitalisierung ist es nun möglich, dass sich der Fan mit im Einzelhandel bei Einkäufen auf der weeApp oder weeCard gespeicherten wee den Stadionbesuch leisten kann. Der Mechanismus funktioniert aber auch umgekehrt: Als wee gesammelte Stadion-Rabatte kann sich der Fan beim Shopping im Einzelhandel anrechnen lassen. Das wee-System ist als erstes weltweit „offenes“ Arenen-Mobile-Payment einzigartig. wee denkt schon in den nächsten Schritten, als fester Bestandteil in den ersten Ligen Europas, so ist den Social Media-Communitys der Vertriebspartner zu entnehmen. Fakt ist: Am Donnerstag, 17. Oktober, gab der FC Sion die technologische Umrüstung des altehrwürdigen Stade de Tourbillon bekannt, wee spielt ab dann mit im Konzert der Großen, zumindest bei einem Traditionsclub in der Schweizer Super League.