Der Fall Douglas: Vermeintlich profitable Geschäfte werden geschlossen.

Quellennachweis für redaktionelle Verwendung: Karolis Kavolelis / Shutterstock.com

Horrormeldungen aus der System-Gastronomie von Vapiano, Notbremse von Douglas-Chefin Tina Müller, Peek und Cloppenburg, Karstadt Kaufhof suchen Heilsbringer…

Der Sonnenschein trügt: Die Innenstädte unserer Metropolen vermitteln in diesem Sommer das Bild von guter Laune, hoher Frequenz in den Fußgängerzonen und guten Umsätzen im Einzelhandel. Weit gefehlt! Bei Karstadt und Kaufhof spricht man von einem Handelsgemetzel, so die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der über Jahrzehnte glänzende City-Platzhirsch für Modemarken, Peek und Cloppenburg, sucht inzwischen, wie beispielsweise auch die nach der „Zwangsheirat“ jetzt zum Erfolg gezwungene Galeria Karstadt Kaufhof nach intelligenten Nutzungskonzepten für die riesigen Flächen in den Immobilien. Die Bomben ticken: Die Parfümeriekette Douglas verabschiedet sich von der bisherigen Erfolgsrhetorik, dass alle Geschäfte wirtschaftlich im grünen Bereich laufen und verkündet 70 Filialen zu schließen. Und das ehemalige Lifestyle-Restaurant Vapiano steht kurz vor dem Exodus! Tausende von Arbeitsplätzen, Steuerverluste, Verödung der Innenstädte stehen auf dem Spiel. Wer ist Auslöser, profitiert und lacht über diese Misere? Ausschließlich E-Commerce, mit wieder zweistelligen Wachstumsraten im ersten Halbjahr gegenüber 2018.

Tina Müller hat sich ihre Sporen beim Autobauer Opel als Marketing-Vorstand verdient: Sie hat damals mit Paradigmen gebrochen, den millionenschweren Marketingetat weitestgehend auf Online- und Social Media umgeswitcht, diverse Sponsorings in der Fußball-Bundesliga gestartet, Jürgen Klopp als Sympathieträger und Testimonial für Opel gewonnen. Am Ende hat das alles wenig gebracht: Der Opel Adam war ein Strohfeuer, der Insignia konnte nicht in die Phalanx der E-Klasse von Mercedes, 5er von BMW oder A5 und A6 von Audi einbrechen. Die SUV-Offensive war ein laues Lüftchen! Opel war zwar frei von General Motors, findet sich jetzt aber bei der PSA-Tochter Peugeot wieder. Die konnten immerhin nach 20 Jahren erstmals wieder Gewinne verzeichnen. Seit eineinhalb Jahren schwingt die Vorzeige-Managerin, der man als erste Frau den Vorstandsvorsitz in einem DAX-Unternehmen zutraut, als Geschäftsführerin bei der Parfümeriekette Douglas das Zepter. Finanzinvestor und Inhaber CVC hat ihr die Prokura gegeben, um Gas zu geben. Inzwischen ist das fünfköpfige Führungsgremium Geschichte. Ihr Versprechen: „Wir halten die 2.400 Filialen, denn jede Filiale arbeitet profitabel!“ Der Kampf gegen den Onlinehändler Amazon, die Preisschlachten mit Flaconi und dem Wettbewerber Sephora, nicht zu vergessen Aldi mit günstigen Top-Produkten, zermürben die einst so strahlende Parfümeriekette. Die neue Strategie: Beauty-Service aus einer Hand mit der Beautyplattform von Douglas! Über dieses Tool soll man Friseurbesuche und Massagen buchen und Mode bestellen können. Der Turbo hierfür besteht in geschätzten 40 Millionen Kundenkarten, die über die Jahre akribisch erstellt wurden. Die Zielvorgabe heißt Verdopplung des Onlineumsatzes von 500 Millionen auf über eine Milliarde Euro. Jetzt der Paukenschlag: Müller schließt erstmal 70 Filialen von 200, die sich in der Diskussion befanden!

Douglas setzt jetzt auf Flagship-Stores mit ausgeprägtem Lifestyle und längerer Verweildauer.

Der Fall Vapiano: kein Glück mit Neueröffnungen, verschlechterte Qualität, Aktienkurs fällt.

Quellennachweis für redaktionelle Verwendung: bogdan ionescu / Shutterstock.com

Und was macht Vapiano, die Restaurantkette, die vor einigen Jahren noch der Inbegriff von deutscher Interpretation des „Italian Way of Food“ war? Seit der Börsenlistung vor zwei Jahren hat sich der Wert der Aktie gegenüber dem Ausgabekurs fast pulverisiert, minus 80%. Die einstige Szenegastro-Vorzeigeunternehmung steht unter Druck, ist hoch verschuldet: Viele neue Restaurants sollten den Umbruch erzwingen – sind heute Verlustbringer mit großen Mietflächen in guten aber teuren Lagen. Billig ist anders als Vapiano und in Stoßzeiten wie der Mittagspause muss der Gast anstehen, einfach zu lange warten. Und darüber hinaus hat sich vermeintlich ein Qualitätsproblem aufgetan, beim Food selbst und dem Personal. Immer neue Liefer- und Bring-Services machen es der angeschlagenen Kette schwer sich zu erholen und wie einst zu performen.

Der Fall Peek und Cloppenburg: zu wenig Umsätze auf der Fläche, teure Immobilien in 1A-Lagen.

Quellennachweis für redaktionelle Verwendung: Stanislav Samoylik / Shutterstock.com

Und wie ergeht es den einstigen Helden der Fußgängerzonen, den Kaufhäusern? Peek und Cloppenburg, die Fashion-Vollsortimenter sitzen auf ihren riesigen Handelsimmobilien und machen einfach zu wenig Umsätze. Jedes einzelne Stück einer Markenkollektion gibt es bei Amazon günstiger. Der Trend verdichtet sich, insbesondere bei jüngeren Zielgruppen: Bei P & C gucken, Preise checken und dann Onlineshoppen. Und ob es klappt im eigenen Portal stationär verlorene Kundschaft zurückzugewinnen, bleibt als Frage offen.

Noch spannender, dramatischer geht es derzeit in den Zentralen von Kaufhof in Köln und von Karstadt in Essen zu. Die einstigen Könige des Vollsortiments schrumpfen sich gerade zu Tode, sollte nicht die bahnbrechende Strategie erarbeitet werden. Ähnlich wie bei P & C möchte man die eigenen Häuser lifestyliger gestalten, mit hippen Untermietern, vergleichbar mit den Malls von ECE in den 1B-Lagen. Aber: Wer investiert heute noch in den stationären Einzelhandel und wer kann sich die „fetten“ Mieten als Untermieter in 1A-Lage bei Karstadt oder Kaufhof leisten?

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt vor einer dramatischen Verödung der Innenstädte, da perspektivisch bis zu 30% der stationären Händler in Deutschland – 50.000 Geschäfte – aufgeben werden. Gut 60 Milliarden Euro an Umsätzen nimmt der E-Commerce im Bereich B2C diesem Einzelhandel jährlich an Erlösen ab. Bereits im Jahr 2017 hat Marktführer Amazon davon mit ca. neun Milliarden Euro profitiert.

Neben den viel zitierten einzigartigen Konzepten mit persönlicher Beratung hat der Einzelhändler nur eine Chance – er muss sich seinen Anteil am boomenden Online-Handel sichern, komme was da wolle. Leichter gesagt als getan! Größere Händler können vielleicht 100.000 Euro in das eigene E-Commerce investieren, das Fachgeschäft für Sanitärbedarf, der Bäcker oder Metzger hat hierzu weder Rücklagen aufgebaut, noch die Fachkompetenz oder Manpower.

Lösungsansätze bieten beispielsweise Loyalty-Programme. Hier sticht die Schweizer weeMarketplace AG heraus, die gerade in europäischen Regionen ihr Cashback- und Mobile Payment-System „wee“ einführt. Im Gegensatz zu gängigen Systemen sammelt der Kunde beim Shopping keine oft unnützen Punkte wie beispielsweise bei Payback. Ein wee entspricht einem Euro, womit man weiter bei angeschlossenen Händlern shoppen kann, die Rabatte von bis zu 10 % anbieten. Aber der Clou ist: Die auf der weeCard oder weeApp verbuchten Guthaben lassen sich problemlos auf das eigene Girokonto auszahlen. Im Zentrum der wee-Strategie steht der Einzelhändler, der digitalisiert wird. Er findet sich auf der weeApp wieder, digital sichtbar für seine bestehenden und natürlich neue Kunden. Insofern wirkt die weeApp als Suchmaschine des Konsumenten für den Einkauf seiner gewünschten Produkte im heimischen Einzelhandel.