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Google will 250.000 Einzelhandelsgeschäfte ins digitale Zeitalter transformieren.

Innovative Projekte und Geschäftsmodelle sollen dem Einzelhandel helfen

Die Einschränkungen in vielen Innenstädten und der Schock des Corona-Lockdown haben zu gigantischen Umsatzverlusten im Einzelhandel geführt. Es gibt immer weniger Touristen, Messebesucher, Geschäftsleute, die in den Geschäften einkaufen oder in der Gastronomie verzehren. Ende April verkündeten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schweren Herzens, dass das Oktoberfest 2020 ausfällt. Die aktuellen Umsatzausfälle bei Wirten, Schaustellern, beim Gastronomie- und Hotelgewerbe, bei den Taxi-Unternehmen sowie beim stationären Einzelhandel dürften bei 1,3 Milliarden Euro liegen. Von nachgelagerten Steuerausfällen ganz zu schweigen…

Unsere Innenstädte werden zunehmend veröden, denn ohne attraktive Angebote beim Shopping, mit Restaurants, Cafés oder Bars, fehlt den Menschen die Motivation, die Citys zu besuchen, sich dort aufzuhalten und zu konsumieren.

Zauberwort für den stationären Handel: Digitalisierung!

Die Corona-Krise trifft den Einzelhandel, immer noch die drittgrößte Branche in Deutschland, besonders hart. Nach Angaben des Handelsverband Deutschland (HDE) sind bereits jetzt 50.000 Geschäfte in ihrer Existenz bedroht. Ein Weg aus der Misere soll eine umfassende Digitalisierung der Geschäfte sein, womit man im Kampf um Umsätze gegen den E-Commerce punkten möchte. Um Ebay, Zalando und Konsorten Paroli bieten zu können, hat sich der HDE mit dem Giganten Google verbrüdert. Das Digitalisierungsprogramm richtet sich deutschlandweit an 250.000 Unternehmen. Schrittweise sollen kleinere und mittelgroße Handelsbetriebe mit dem Angebot einen digitalen Baukasten nutzen zu können, ins digitale Zeitalter transformiert werden.

Hand in Hand: Google und der Einzelhandelsverband!

Bestandteil des Angebots sind Trainings für die Einzelhändler. Strategisches Ziel dieser Initiative mit dem Namen „ZukunftHandel“, die jüngst der Öffentlichkeit präsentiert wurde, ist ein gesamtgesellschaftliches Interesse. „Denn der Einzelhandel bildet das Fundament unserer Innenstädte und leistet einen essentiellen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, auch als wichtiger Arbeitgeber und Ausbilder“, so Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE. Sein Partner, Philipp Justus von Google, ergänzt: „Eine digitale Präsenz hilft allen Handelsbetrieben, das eigene Geschäft zu verbreitern und bei der nächsten Krise besser aufgestellt zu sein, dem kleinen Buchhändler und dem „Späti“ um die Ecke ebenso wie größeren Drogeriemärkten oder Modegeschäften.“

Mobile Payment mit Cashback und Banking Services

Parallel und ohne die Unterstützung großer Verbände, ohne TV-Werbung und reichweitenstarke YouTube-Clips, bereitet die weeConomy AG aus eigener Kraft die Marktdurchdringung ihres Produkts bereits erfolgreich in ausgewählten europäischen Pilotregionen vor. Bisher promotete das Unternehmen die Kombination von Mobile Payment und Cashback mittels eigener App und Karte als Produkt. Wenn sich Einzelhändler in die technologische Infrastruktur integrieren lassen, werden sie automatisch digitalisiert und für die Kunden in der weeApp als Suchmaschine auf dem Smartphone oder auf dem Onlineportal wee.com sichtbar gemacht. Die Voraussetzung zur Teilnahme ist die Gewährleistung von Rabatten für die Kunden. Die innovativen Schweizer vernetzen im Rahmen ihrer Strategie den stationären Einzelhandel mit digitalisierten Stadien und dem eigenen E-Commerce, gebündelt unter wee.com, wo ca. 1.600 Onlineshops integriert sind. Der Clou für den von Corona „gebeutelten“ Händler vor Ort: Rabatte, die als „wee“ beim Onlineshopping gesammelt werden, können vom Online-Shopper nur beim Einzelhändler oder im angeschlossenen Stadion zum Einkaufen oder Konsum genutzt werden.

Aus wee wird der digitale Zahlungsdienstleister weePay

Vom Mobile Payment- und Cashback bis hin zum weltweiten digitalen Bezahlen mit integrierten Bank-Dienstleistungen in der App. (Bild: weeNexx AG)

Über mehrere Monate und mit einem Millionenaufwand wurde nun eine e-Money-Lizenz umfänglich ins eigene System integriert. „wee“ verfügt jetzt über ausgeprägte Banking Services, die kontinuierlich ausgebaut werden sollen. Man will sich, so verlautet es aus Vertriebskreisen, perspektivisch in über 120 Ländern weltweit auch als innovativer Zahlungsdienstleister etablieren. Laut Angaben des Unternehmens sind Transaktionen von weePay (ein wee = ein Euro) zwischen dem Einzelhändler und seinen Kunden sowie unter den Kunden selbst kostenlos. Mit einer geringen Servicepauschale und überschaubaren Kosten für die Nutzung ist das stationäre Geschäft mit an Bord – auf die Endverbraucher als Nutzer entfallen keine „Eintrittsgebühren“. Das „Projekt wee“ ist unabhängig vom etablierten Bankensystem, ganz im Gegensatz zu den etablierten Kreditkarten wie Master- und VisaCard oder den neuen Zahlungsdienstleistern wie beispielsweise ApplePay, wo der digitale Geldverkehr nur auf Apple-Smartphones beschränkt ist. Die Maxime einfach, sicher, günstig und schnell Geld transferieren zu können, scheint aufzugehen. Ganz im Sinne von wee-Gründer Cengiz Ehliz, Münchner Unternehmer des Jahres 2019.

Modeketten, Kaufhäuser & Co: Rette sich, wer kann!

Unabhängig vom Fortschritt durch die Digitalisierung im Einzelhandel – insbesondere mit der Einführung neuer digitaler Payment-Systeme – stellt sich die Frage, wie lange der etablierte Handel in den Citys noch durchhalten kann. Es sind nicht nur die Probleme mit dem E-Commerce und Corona, die einst stolze Unternehmen und Marktführer zum Wanken bringen.

Esprit leidet immer noch, wie viele andere Fashion-Konzerne, stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das Krisenkonzept der Ratinger beinhaltet die kurzfristige Schließung von 50 Filialen in Deutschland. Was das bedeutet? 1.100 Mitarbeitern in den Shops und in der Verwaltung wurde bzw. wird gekündigt.

Auch C&A, seit Generationen im Familienbesitz, muss hart gegen die Umsatzverluste kämpfen. Bereits im vergangenen Dezember berichtete das Managermagazin darüber, dass der Modekonzern ca. 100 der insgesamt 450 Filialen in Deutschland aufgeben möchte. Aus Sicht der Journalisten von BUSINESS INSIDER, die Christiane Beyerhaus von der International School of Management als Expertin zitieren, „habe das Unternehmen die digitale Transformation verschlafen“. Gleichermaßen gelte die Modemarke bei jungen Kunden als uncool, das Image sei altbacken. Seit fast zehn Jahren sinken die Umsätze. Und Corona mit seinen Folgen – fehlender Lustfaktor beim stationären Shopping, Konsumbeschränkung bei den etablierten Käufergruppen – könnte den jahrelangen Negativ-Trend noch einmal richtig beschleunigen.

Auch die Modekette H&M musste Konsequenzen aus dem Corona-Lockdown und den entsprechenden Folgen ziehen: Weltweit sollen 170 Filialen geschlossen, demgegenüber 130 neue eröffnet werden.

Gina Tricot, eine Modekette mit neun Standorten in Deutschland, hat nach Einreichung der Insolvenz ihre Shops bereits geschlossen.

Der Real-Deal und die Folgen: Vor einigen Monaten kaufte die russische Investorengruppe SCP die 279 Supermarkt-Filialen und den Onlineshop. Bereits jetzt ist klar: 141 ehemalige Real-Filialen werden an Kaufland und Rewe weiterverkauft. Im weitergehenden Verkaufspoker mischt jetzt auch Edeka mit. Mindestens acht Standorte werden komplett dicht gemacht, mit Stand heute verlieren 700 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze.

Der Glanz vergangener Jahrzehnte ist verblasst

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Seit Jahren Probleme: Von Karstadt und Quelle bis hin zu Galeria Karstadt Kaufhof.

Galeria Karstadt Kaufhof, das letzte in Deutschland übrig gebliebene Warenhaus-Konstrukt, wurde bereits in den vergangenen Jahren arg gebeutelt. Hauptsächlich Online-Käufe und ein altbackenes Flair trieben das Kaufhaus, das aus der Fusion von Galeria Kaufhof mit Sitz in Köln und dem Essener Karstadt-Konzern als Notlösung geboren wurde, von Jahr zu Jahr mehr in die roten Zahlen. Der Konzern hat – mit maßgeblicher Unterstützung der Gewerkschaft Verdi – Unterschlupf in einem staatlichen Schutzschirmverfahren gefunden. Ohne diesen Impuls hätten mindestens 80 der noch 162 Filialen schließen müssen. Mit der staatlichen Hilfe stehen jetzt nur noch 50 zur Disposition. Die Negativ-Spirale setzt sich aber weiter fort, denn einige Tochtergesellschaften stehen in direkter Mitleidenschaft. So musste der Reiseveranstalter Thomas Cook bereits Insolvenz anmelden. Glaubt man Insidern, stehen die Karstadt-Sport-Filialen kurz vor dem Aus. Gleichermaßen sollen die Dinea-Gastronomie, Karstadt Feinkost und die Le Buffet Restaurant & Café Gesellschaft mitten im nahezu aussichtslosen Überlebenskampf stecken.