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Paradigmenwechsel bei Digitalisierung der Information und Kommunikation 

Die Auflagen von Tageszeitungen und Magazinen sinken seit Jahren rapide. Bereits 2012 knallte es mit einem lauten Donnerhall: Die Frankfurter Rundschau meldete Insolvenz an und im Dezember erschien die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland. Am 1. Februar 2013 wurde die komplette Redaktion der einst so stolzen Westfälischen Rundschau verlagert, im März 2014 verkündete die Münchner Abendzeitung Insolvenz. Jetzt zieht Burda die Reißleine für die Redaktionen von TV Spielfilm, TV Today und TV Schlau. 53 Redaktionsmitglieder erhalten ihre betriebsbedingte Kündigung. 

Ähnlich verhielt es sich mit dem Magazin Fit for Fun zu Beginn des Jahres. Allerdings werden die Titel nicht aufgegeben – die Funke-Mediengruppe übernimmt die Produktion. Zuletzt hatte TV Spielfilm immerhin noch eine Auflage von gut 666.200 Exemplaren, allerdings verbuchten die Offenburger einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 7%. Funke konzentriert: Aktuell verlegen die Essener bereits 13 TV-Zeitschriften mit einer Gesamtauflage von 4,6 Millionen Exemplaren. 

Glanz und Gloria sind Vergangenheit

Von 2000 bis 2003 trug der damals noch stolze Hamburger SV in der ersten Liga den Schriftzug „TV Spielfilm“ auf der Brust und kassierte dafür von der Verlagsgruppe Milchstraße sage und schreibe – und für heutige Verhältnisse unfassbare – 5,7 Millionen Mark. Könnte sich ein Verlag das heute noch leisten? Die Antwort ergibt sich von selbst!

Die Verlagsbranche liegt am Boden. Gelesen wird weitestgehend nur noch online, für Premium-Journalismus will niemand mehr bezahlen, Print ist out! Liegt es vielleicht daran, dass man alternativ zum Printprodukt kostenlos auf Newsportalen dieselben Informationen kostenlos erhält? Und das meist auch noch aktuell, einen Tag vor Auslieferung der dann inhaltlich schon veralteten Tageszeitung? Oder liegt diese nachhaltige Entwicklung, bei der man sicher nicht von einem temporären Trend sprechen kann, am veränderten Rezeptionsverhalten der Menschen, insbesondere bei jüngeren Menschen. Wer gelernt hat sich online zu informieren und in Echtzeit beim Onlineshopping konsumieren zu können, der hält Printanzeigen für Informations-Dinosaurier. Klar ist jedenfalls: Content im Printmedium, egal ob Zeitung oder Zeitschrift, ist limitiert! Und irgendwie zensiert, denn die veröffentlichte Meinung des Journalisten ist absolut. Demgegenüber sind Online-Content-Angebote unendlich! Inklusive Kommunikationsangebot, der sogar Shitstorm zulässt. 

Abwärtstrend bei Print in Deutschland verheerend

Das erste Quartal 2019 hinterlässt tiefgreifende Narben bei den Verlagen, so MEEDIA: Die Welt verzeichnet hier einen Einbruch von -17% bei Abos und Einzelverkäufen. Die Bild weist zwar immer noch eine tagtäglich verkaufte Auflage von 1,29 Millionen verkaufter Exemplare nach, doch auch hier wird der Druck immer größer. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das: -9,3%! Die Einbußen von Süddeutscher mit 4,5% und FAZ mit 3,3% klingen da aktuell versöhnlicher, aber bluten mussten diese beiden Premium-Medien bereits erheblich in den vorhergehenden Jahren. 

Leichte Freude kommt hingegen beim Handelsblatt auf: Zwar ging die Printauflage um 9,8% auf 81.721 Stück zurück, doch stieg die Anzahl der Digital-Abos um 6.000 auf 48.324.

Die Gretchenfrage ist und bleibt aber: Wie finanzieren sich eigentlich die virtuellen Alternativen zu gedruckter Tageszeitung und Zeitschrift? Die großen Verlage arbeiten seit Jahren unter Hochdruck daran Payed-Content-Angebote im Markt erfolgreich einzuführen und durchzusetzen – allerdings ohne großen Erfolg. Die immer mehr wegbrechenden Einnahmen der Abo-Auflagen und daraus resultierend der Anzeigen, machen eine einst so stolze Branche kaputt. Das betrifft die Gilde der Journalisten, die Druckereien, Logistik und Papierhandel-/produktion.

Ob Print oder Online: Zeitungslesen für junge Menschen unattraktiv

Eine Umfrage von CIVEY aus dem vergangenen Jahr lässt verlauten, dass nur knapp 12 % aller Bundesbürger nie Tageszeitungen lesen. 40% lesen diese lieber online, gut 18% „beides gleich gern“. 55% der über 65-Jährigen lesen lieber gedruckt, ca. 48% der 18 bis 29-Jährigen stehen auf die Online-Variante. 

Gut 44% der befragten Bundesbürger lesen immer noch – fast täglich – gedruckte Tageszeitungen, ungefähr 10% davon mehrmals in der Woche. 22,3% erklären niemals eine gedruckte Zeitung in die Hand zu nehmen. In der Gruppe der 18 bis 39-Jährigen lesen nur noch 15% täglich Zeitung, 33,2 Prozent dieser jungen Zielgruppe sagen: „Ich lese nie eine gedruckte Tageszeitung!“

Die Talfahrt von Print geht weiter: Die Zukunft der DuMont Printerzeugnisse bleibt weiter offen. Und Audi hat bereits im März sein allseits geschätztes Hochglanz-Kundenmagazin beerdigt…

Digitaler Content – kostenlos für User –  scheint der zielführende Ansatz

Lösungsansätze gibt es bereits, die ansatzweise den Misserfolgen der Verlage in die Bresche springen könnten. So erhalten aktuell beispielsweise Apps eine erhöhte Attraktivität, die für Endverbraucher rund um die Uhr kostenlos hochwertigen Content anbieten können. Dieser wird von Dritten, beispielsweise B-to-B- Kunden des App-Anbieters – von Onlineshops  bis hin zu stationären Händlern – direkt oder indirekt bezahlt. Konkret: Im Rahmen von Online-Promotions bietet die App dem Geschäftspartner – beispielsweise Händler für Markenbekleidung mit Onlineshop oder einfach nur das Restaurant um die Ecke mit tagesaktueller Speisekarte – Push-Meldungen an, die dann über Newsletter an eine detailliert definierte Zielgruppe verschickt werden. 

Neue, digitale Welt! Mit unterschiedlichen inhaltlichen und technologischen Ansätzen, so zeigt derzeit der globale Markt, versuchen Giganten wie Amazon, Apple, Microsoft, Facebook, sogar Automobilhersteller, Fluggesellschaften und Touristiker, andererseits aber auch durchstartende junge Unternehmen wie die Schweizer weeConomy AG und ihr Visionär Cengiz Ehliz mit dem Loyalty-Programm wee, Shelfd, die App für Video-Fans, die polnischen Newcomer Outriders und Pisno oder das dänische Digitalmagazin Zetland, etablierte Kommunikationskanäle und Content den Herausforderungen ihrer User, Kunden und Partner, erfolgreich für die Zukunft auszurichten.