Und täglich grüßt das Murmeltier

Ende Oktober 2018 war nach drei erfolgreichen Jahren definitiv Schluss bei der WAZ-Gruppe: Der Chefredakteur Sport des Essener Medienkonzerns mit geschätzt über einer Milliarde Umsatz wolle neue Wege gehen, so die Kernbotschaft der Abschieds-Pressemitteilung! Der smart wirkende Sport-Insider Gottschalk war vorher Chefredakteur bei der Sport-Bild und Sportchef von Welt und Welt am Sonntag. Im Gegensatz zu vielen Kollegen ging sein Blickwinkel immer über sein Ressort hinaus. Als Büroleiter von Springer-Chef Döpfner hat er den Wechsel vom analogen zum digitalen Verlags-Business aktiv mitgestaltet, war bei Richtungsentscheidungen des Konzerns nicht nur dabei, sondern mittendrin. 

Die Digitalisierung war nie sein Feind – intensiv entwickelte und implementierte der heute 50-jährige Konzepte für die Digitalisierung von Redaktionen, bildete Nachwuchs-Journalisten aus. Für viele heutige TV-Frontmänner wie Delling, Beckmann, Welke und Buschmann war die legendäre Sportschau-Ikone Ernst Huberty Leitbild, Coach und Ziehvater. Gottschalk eifern die aktuellen Reporter und Redaktions-Volontäre nach, denn die Symbiose aus Netzwerk und damit gepaartem Insider-Wissen, professioneller Schreibe, bescheidener aber kompetenter Performance mit sachlicher Rhetorik in den gängigen Fußballexperten-Talks sowie ehrgeizige eigene und unabhängige Projekte machen ihn zum Influencer der Szene.

Sein ehrgeizigstes Projekt zieht er eher unaufgeregt auf: Während eines Sabbaticals in den USA hat er am Konzept gebaut, nun liefert er jeden Tag seiner ständig wachsenden Community den Newsletter Fever Pit´ch! Der Name war Ergebnis eines Wettbewerbs in seiner FB-Community. Carsten Pröpper, Ex-Fussballprofi, machte den Vorschlag, der sich von Nick Hornby´s legendärem Buch ableitet, mit der packenden Liebesgeschichte eines Fans zu seinem FC Arsenal. Um ca. 06.00 Uhr am Morgen schlägt das elektronische Medium bei den Abonnenten auf. Immer versehen mit einem persönlich verfassten Einstieg, dann Verlinkungen zu anderen Online-Publikationen, Hinweise auf anstehende TV-Highlights am Abend. Gottschalks Links führen nicht nur zu bild.de, sportbild.de oder faz.net, er öffnet virtuell auch die Türen zu Special-Interest-Medien wie fussball-inside.com oder 120minuten.net. Bisher ist das sein persönliches, viel beachtetes Ding! Ohne Mischfinanzierung durch Werbung, ohne Product-Placements… Schätzungsweise 2.000 lesen sein Tageswerk als Abonnenten des Newsletters, über Facebook verfünffacht Gottschalk die Reichweite. Mit der weitergehenden Synchronisation – focus.de, Sport1 und Medien der 1&1 Familie – erreicht der Sportjournalist mit seinem einzigartigen Projekt mittlerweile ein Millionenpublikum. Viele Influencer platzieren ihre Blogbeiträge im Sinne von Personality-PR und Eigen-Marketing. Bei Gottschalk hat man dieses Gefühl nicht. Ihm geht es um die Sache. Um den Fußball. Um die Hintergründe. 

Er lebt und liebt sein Metier. Sein Leitspruch: „False face must hide what false heart doth know“, was in etwa bedeutet „was das falsche Herz weiß, muss das falsche Gesicht verbergen.“ Man nimmt Gottschalk gern ab, dass er nicht Fake-News verbreitet, sich wichtiger macht, als er tatsächlich ist. Er ist schlichtweg Fußballfan und freut sich darüber, dass er mit seiner Passion den Lebensunterhalt verdienen kann. 

Sein Buch „Kabinengeflüster“ ist in der Fußballfan-Community ein Hit. In seinen „verrückten Erlebnissen als Fußballreporter“ präsentiert der Autor humorvoll für ihn prägende Momente als Journalist im Fußball-Business. Enthüllungen sind ihm fremd, er ist und bleibt professioneller Begleiter der Branche! Mit Respekt vor den tatsächlichen Stars! Weswegen ihm Selfies mit Promis, wie beispielsweise mit Franz Beckenbauer bei der Feierlichkeit zur Präsentation der Hall of Fame im Dortmunder Fußball-Museum, eher unangenehm sind.

Foto Pit Gottschalk – Presseportal