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Immer mehr TV-Fußballfans lassen sich vom Frauenfußball begeistern

Die Gemengelage beim Finale um die Fußball-WM der Frauen war dramaturgisch nicht zu überbieten: Gegen die Europameister aus Holland wollten die US-Girls ihren Titel am 7. Juli verteidigen und zum vierten Mal Champion werden. Die sportliche Komponente war aber nur eine Herausforderung! Die andere beinhaltete nicht mehr und nicht weniger einen monatelangen Schlagabtausch zwischen Megan Rapinoe, der 34-jährigen Kapitänin, und US-Präsident Donald Trump. Ihren Einsatz für mehr Menschlichkeit, ihre offene Unterstützung der LGBTQ-Bewegung und ihr Kampf für gleichen Lohn von Männern und Frauen, stießen dem mächtigsten Mann der Welt richtig auf. So ließ die populärste US-Spielerin im Vorfeld der WM verlauten, dass sie bei einem WM-Triumph nicht ins Weiße Haus kommen wolle um mit dem Präsidenten zu feiern. Was Trump zum Konter über Twitter motivierte: „Erst gewinnen, dann reden.“ Aus Protest gegen den allgegenwärtigen Slogan der Republikaner, „Make America Great Again“, der nach ihrer Meinung demokratische Werte verdrängt, singt Rapinoe die amerikanische Hymne vor Spielen prinzipiell nicht mit.

Insofern hat der neue Medienstar jenseits des Atlantiks eines mit ihrem Feindbild Trump gemeinsam: Beide provozieren. Beide spalten! Aber Rapinoe wurde von der rhetorischen Attacke Trumps hoch motiviert und lieferte: Sie war als Kapitänin der sportliche Motor für den neuerlichen WM-Erfolg – beste Torschützin und gleichermaßen beste Spielerin! Ihr verwandelter Elfmeter im Endspiel brachte die Amerikanerinnen auf die Siegesstraße. 

Mit ihrer extrovertierten Art und klaren politischen Meinung ist sie aktuell der Liebling der Medien. TV-Sender, Rundfunksender, Onlineportale, Social Media-Communitys und Zeitungen schießen sie derzeit weltweit in die Schlagzeilen und medial in den Himmel. Doch von einem Teil der republikanisch denkenden Bevölkerung schlägt ihr Zuhause blanker Hass entgegen, die anderen, weitestgehend Demokraten, möchten sie am liebsten für die anstehende Präsidentschaftswahl gegen Trump antreten lassen. 

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Hohe TV-Quoten spiegeln internationales Wachstum in der Fanbase

Mehr als sieben Millionen verfolgten in den USA das Finale, so der übertragende Sender Fox Sports 1. Das sind 20 Prozent mehr als beim Männerfinale 2018, wo Frankreich gegen Kroatien kickte. Finalgegner Niederlande hatte zumindest bei der TV-Quote ein Heimspiel: 88 Prozent aller Fernsehzuschauer, fünfeinhalb Millionen Holländer, waren via TV live in Lyon dabei. Und immerhin fünf Millionen Zuschauer verfolgten das Finale in Deutschland am Fernseher. Auch in Großbritannien, Italien oder Frankreich erzielte das Endspiel unerwartet hohe TV-Quoten.

Barack Obama schrieb Rapinoe per Twitter nach dem Triumph: „Danke, dass ihr so eine starke Inspiration für Frauen, Mädchen und alle im ganzen Land seid.“

Authentizität oder Inszenierung: Rapinoe polarisiert

In New York feierten die Weltmeister jetzt ausgiebig, Rapinoe als Frontfrau während der Parade immer vorne weg. „Ihr seid mehr als Fans“, bedankte sie sich emotional bei den zig tausend, die zum Mitfeiern in den Big Apple gekommen waren. „Ihr seid mehr als jemand, der nur alle vier Jahre zuschaut. Ihr geht jeden Tag die Straße lang. Ihr Interagiert. Wie macht ihr Euer Umfeld besser? Die Leute um Euch herum, Eure Familien, Eure engsten Freunde.“ Ihre Botschaft, die sie offensiv kommuniziert: „Wir wollen nicht von der Trump-Regierung korrumpiert werden!

Rapinoe machte bereits auf sich aufmerksam, als sie mit einigen Teamkolleginnen den US-Fußball-Verband verklagte, weil dieser den Frauen nicht die gleichen Prämien wie den Männern bezahlen wollte. Und dabei macht nicht nur der Verband richtig Kasse mit den selbstbewussten, erfolgreichen Frauen. 

Abverkauf von Nike-Produkten aus dem Frauenfußball gigantisch

Ausstatter Nike, der kolportiert jährlich eine mittlere Millionensumme überweist, hat kurz vor der WM eine für eingefleischte Fußballfans unfassbare Medieninformation veröffentlicht. Darin ist zu lesen, dass beim weltweit marktführenden Sportartikelhersteller im letzten Jahr kein Trikot häufiger verkauft wurde als das der US-Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. 

Nike-Chef Mark Parker im O-Ton: „Dieses Trikot ist auf der Nike-Internetseite das meistverkaufte Trikot aller Zeiten in einer Saison.“ Interpretiert man richtig, dann ist klar: Die US-Girls haben Top-Clubs wie den FC Barcelona, FC Chelsea London oder Galatasaray Istanbul und sogar die Selecao, die brasilianische Nationalmannschaft der Männer, abgehängt. 

Das Endspiel-Shirt mit dem neuen vierten Stern war einen Tag nach dem Finale schon wieder ausverkauft. Nike war bei der WM in Frankreich omnipräsent: Gleich 14 Teams, davon drei Halbfinalisten, liefen mit dem Nike-Logo auf. Laut Parker lieferte das einen Umsatzschub – nicht nur bei Trikots, vielmehr auch bei Schuhen und Sport-BHs. 

US-Frauenshirts beim E-Commerce von Nike vor FC Barcelona

ran.de veröffentlichte kürzlich eine Statistik des Daily Mirror über internationale Trikotverkäufe: So sollen weltweit während einer Saison über 3.6 Millionen Trikots des FC Barcelona verkauft werden. Das ist weltweit die Spitzenposition! Rechnet man mit 90 Euro Kosten beim Konsumenten, dann ergibt das einen Umsatz von über 320 Millionen Euro. Rechnet man jetzt nochmal so viele Trikots weltweit hinzu, die „schwarz“ in Fernost produziert und auf Märkten oder an allen Stränden dieser Erde zum halben Preis verkauft werden, liegt man locker bei einer halben Milliarde Euro, die das Trikot der Katalanen umsetzt.

Um jetzt auf die US-Girls und Nike zurückzukommen: Der Trikot-Abverkauf über den offiziellen Nike-Shop könnte in Sachen Trikots bei ca. 20% liegen. Im offiziellen Nike-Onlinestore wird das Stück Kunststoff aktuell für 90 Euro angeboten! In Summa ergäben sich für die Kasse knapp 65 Millionen Euro bei 720.000 verkauften Shirts. Und das ist sehr konservativ gerechnet, glaubt man Insidern. 

Was aber dabei wesentlich ist und wo sich zumindest die US-Frauen von den Männern unterscheiden: Auch mit Provokation und klarer politischer Haltung lässt sich jede Menge Sympathie aufbauen! Und natürlich Kommerz machen! Wer also jetzt, auf dem Höhepunkt der positiven Emotionen als Marke oder Unternehmen – besser noch als durch Digitalisierung global präsentes Unternehmen – auf den fortfahrenden Siegeszug der US-Girls aufspringt, hätte sicher die besten Chancen, von den Millionen neuen Fans der Fußballerinnen mit profiliert zu werden.