Vier Jahre im Angebot: Für die FAZ ist außer Spesen nichts gewesen. (Fotos: FAZ)

FAZ stellt Wochenmagazin ein

Schon einige Zeit wurde gemunkelt. Jetzt ist es Fakt! Die Frankfurter Allgemeine Woche (FAZ Woche) ist Ende Juni bereits wieder Geschichte. Damit endet das ehrgeizige und kostenintensive Projekt, mit ambitioniertem Content dem Spiegel und Focus als Nachrichtenmagazin Marktanteile abzuluchsen. 100.000 verkaufte Exemplare hatte man sich wöchentlich zum Ziel gesetzt, offiziell hat der Vertrieb angeblich 50.000 Stück verkauft, wobei Insider eher von gut 35.000 tatsächlich verkauften Exemplaren munkeln.

Die Frankfurter ziehen jetzt die Notbremse und beschönigen im selben Atemzug: Stolz sei man, gegen den Trend in diesem rückläufigen Segment gewachsen zu sein. Man habe junge Zielgruppen erreicht und an die FAZ herangeführt… Am Ende des Tages war die Ausbeute bei den Abonnenten aber „mau“. Den entscheidenden Impuls zum Rückzug lieferte jetzt die Corona-Krise – ausbleibende Anzeigengelder haben die Wirtschaftlichkeit des Mediums ins Wanken gebracht. Anscheinend ist das aber gar nicht so schlimm, meint man der offiziellen Verlautbarung entnehmen zu können, denn die Unternehmens- und Produktstrategie fokussiert seit einiger Zeit eher Digital- und Streamingprodukte als Printpublikationen.

Journalismus mit Qualität zieht nicht als Kaufargument

Für das Angebot im nationalen „Blätterwald“ ist diese Entscheidung sehr schade, denn das Medium glänzte seit dem Launch 2016 an jedem Freitag durch hochwertigen Journalismus und spannenden Content. Wieder ein Stück wöchentlich intelligent aufbereitetes Weltgeschehen weniger!

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), die Lobbyisten für die Agentur-, Werbe- und Verlagsbranche, hatten bereits Mitte April ein durchschlagendes Konjunkturprogramm von der Bundesregierung gefordert. Der Verband veröffentlichte alarmierende Zahlen: Im April und Mai wurden ca. 50 Prozent der Media- und Werbeinvestitionen aufgrund der Corona-Krise storniert. Diesen Ausfall können die entsprechenden Unternehmen keinesfalls eigenständig kompensieren. U.a. sollen kreditbasierte Liquiditätshilfen der öffentlichen Hand die Branche stützen.

Kahlschlag bei den Umsätzen durch zu wenig Anzeigen und Kioskkäufe

Die Lage der Medienhäuser ist dramatisch, obwohl in der aktuellen Krisensituation der Hunger nach Informationen in der Bevölkerung überdurchschnittlich groß ist. Die Werbeeinnahmen sind – je nach Sektor – um 20 bis 80 Prozent eingebrochen. Insbesondere die immer noch anzeigenfinanzierte Fachpresse, Schwerpunkt Industriebereiche wie der Baustoff-Fachhandel oder die Automobilwirtschaft, sind von diesem Kahlschlag am härtesten betroffen. Diese Entwicklung verstärkt darüber hinaus: Bahnhofskioske verzeichnen Umsatzverluste mit Printprodukten in Höhe von mehr als 50 Prozent. Denn wer nicht mit Bus oder Bahn unterwegs ist, der kauft auch keine Zeitungen oder Zeitschriften!

Bedeuten Subventionen einen Verlust an Meinungsfreiheit und Unabhängigkeit?

Eine Renaissance erleben dagegen Fernsehzeitschriften und Rätsel-Magazine, die im Abverkauf erheblich zulegten. Im Jahre 2019 erwirtschafteten die Verlage mit 5.537 Fach- und 1.569 Publikumstiteln insgesamt 20,2 Milliarden Euro, was etwas rückläufig zum Vorjahr war. Für 2020 ist ein vergleichbares Ergebnis allerding nur ein Wunschtraum.

Der Vorstandschef von Axel Springer, Matthias Döpfner, sah das bisher anders: Er sprach sich vehement gegen staatliche Subventionen von Medien aus. Lieber seien Insolvenzen hinzunehmen, als der subventionierte Verlust ihrer Unabhängigkeit, so der Konzernchef vor der Pandemie.