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Der Fußballsport versucht alles, um sich und die Menschen zu schützen.

Erforderliche Hygienemaßnahmen im Stadion in der Kritik

70.000 Zuschauer im Stadion beim Bundesliga-Fußball oder in der Königsklasse der Champions-League… Vor einem Jahr war das für Millionen im Stadion, an den TV-Geräten oder beim Radiohören gelebter Normalzustand. Jeden Samstagnachmittag oder Mittwochabend bebten die Münchener Allianz Arena oder der Dortmunder Signal Iduna Park emotional. Wehmütig vermissen inzwischen sogar die Gegner der Borussen bei den aktuellen Geisterspielen die „gelbe Wand“, die größte Stehtribüne der Welt, die bei jedem Heimspiel mit 20.000 frenetischen Fans für diese einmalige Stimmung sorgt. Nostalgiker träumen inzwischen von der Vor-Corona-Zeit, Pragmatiker stellen sich für längere Zeit auf erhebliche Einschränkungen für Fans beim Stadionerlebnis ein. Trotz der allgemeinen Hoffnung, die aus einem möglichen Impfstoff resultiert, der wahrscheinlich schon im ersten Quartal 2021 zum Einsatz kommt.

Waren es im September und Oktober zumindest noch fünfstellige Zuschauerzahlen in Deutschlands Arenen, die im Rahmen der diversen Hygienekonzepte unter erheblichen Beschränkungen Live-Fußball genießen durften, musste sich auch dieser Kompromiss den steigenden Fallzahlen von COVID-19-Erkrankungen beugen. Im November und Dezember sucht man aufgrund des Teil-Lockdowns vergeblich nach Fans in den europäischen Arenen. Der Kampf um Punkte ohne Zuschauer hat für den hartgesottenen Fan bei jeder Fernsehübertragung eher etwas mit einem Trainingsspielchen als mit einem ernstzunehmenden Wettkampf zu tun. Das Thema „Corona und Stadionbesuch“ hat SLC Management aus Nürnberg jetzt in einer Studie genauer unter die Lupe genommen. Dabei geht es vor allem um die Fragen: „Inwieweit beeinträchtigt Corona die Zuschauer?“ und „Was würden Sie in Kauf nehmen, um weiterhin oder wieder ins Stadion zu gehen?“

Aufwändige Hygienekonzepte umsonst erstellt?

Wir erinnern uns: Die letzten neun Spieltage der abgelaufenen Saison mussten ohne Zuschauer umgesetzt werden. Unter Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) entwickelten die Clubs mit den heimischen Gesundheitsämtern professionelle Hygienekonzepte, die weltweit Beachtung fanden. Bund und Länder verständigten sich auf eine 20%-Regelung, die für die Arenen eine maximale Zuschauerauslastung von 20% erlaubt. Entscheidungshoheit haben aber allerdings die Länder. Die eher liberale Corona-Politik von Nordrhein-Westfalen mit seinem Ministerpräsidenten Laschet ermöglichte Heimspiele mit 10.000 Zuschauern in Mönchengladbach und 11.500 in Dortmund. Da Berlin an einer Obergrenze für Outdoor-Events von 5.000 festhielt, waren dementsprechend die Tickets im Olympiastadion und „An der Alten Försterei“ stark limitiert. Die Corona-Stringenz der „Söderschen Landesregierung“ in Bayern führte dazu, dass die Münchner Bayern kein einziges Spiel vor Fans austragen durften.

Die Liebe zum Fußball trägt nicht alle geplanten Einschränkungen

Die Fans stehen dem Live-Erlebnis in Zeiten der Pandemie offen gegenüber: 14.1% der Befragten sind prinzipiell gegen Zuschauer in Stadien, die überwältigende Mehrheit ist bereit, eingeschränkt Fußball im Stadion zu erlauben und immerhin 13% halten vollbesetzte Arenen immer noch für eine ernstzunehmende Option. Gut die Hälfte der Befragten, die selbst nicht ins Stadion gehen, hätten Angst sich mit COVID-19 zu infizieren. Ein Viertel entscheidet sich gegen den Stadionbesuch, weil die soziale Komponente, das Treffen mit Freunden, nicht mehr gewährleistet ist.

55% der Fans erklären sich bereit einen Corona-Test vorzulegen oder machen zu wollen, sollte das die Grundlage für den Zutritt in die „Corona-sichere“ Arena sein. 57% wünschen sich einen Corona-Schnelltest vor dem Einlass, damit infizierten Personen der Zugang verweigert werden kann. Mit funktionierenden Schnelltests, so ein Ergebnis dieser Umfrage, würden mehr als die Hälfte ihre Meinung ändern und wieder ins Stadion wollen. Aber nur, so ein Drittel der Fans, wenn diese Schnelltests nicht über höhere Ticketpreise finanziert würden. Diese selbst zu bezahlen lehnen die Fans ab!

Zum Thema Impfung war das Meinungsbild eher gespalten. Die Frage: „Soll es eine verpflichtende Impfung als Voraussetzung für den Stadionbesuch geben?“, verneinten fast zwei Drittel der Befragten. Die Clubs als Veranstalter müssen sich auf das Meinungsbild der Fans einstellen. Schnelltests sind gut – aber nur, wenn diese vom Club finanziert werden. Gleiches gilt beispielweise auch für die Fiebermessung mittels Infrarot-Thermometer. Die Fans würden einen erheblich höheren Aufwand bei Wartezeiten akzeptieren, nicht aber zusätzlichen finanziellen Aufwand. Das beinhaltet auch die jetzt schon geübte Pflicht, sich mit seinem Ticket persönlich ausweisen zu müssen. Perspektivisch betrachtet führt das zu einem KYC (Know Your Customer)-Prozess, der bei der Nutzung von Mobile Payment – digitalem Bezahlen mittels App – schon durchzuführen ist.

Dass im Dezember die Stadiontore für die Fans wieder geöffnet werden, ist eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist es, dass die Fans ausschließlich unter Berücksichtigung von Maßnahmen ihrem Freizeitspaß frönen können, die im Kontext der Umfrage eher negativ beurteilt wurden.