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Profisport kämpft gegen heimtückischen Gegner

Die Welt steht Kopf: Das Coronavirus legt die Welt lahm. Und das gerade erst mal seit einer Woche in Deutschland. Fast stündlich werden in den EU-Ländern die Regularien der Behörden im Umgang mit der Krise verschärft. Das deutsche Robert Koch-Institut sieht Deutschland am Anfang einer Epidemie. So sollen bis zum 17. März über 8.000 Menschen in Deutschland infiziert sein, in Italien 28.000, europaweit rund 65.000. Es gilt jetzt die Hygiene- und Behördenvorgaben strikt einzuhalten, so Lothar Wieler, Präsident der Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten. Wenn es nicht gelinge, die Infektionsfälle zu reduzieren, könne es in zwei oder drei Monaten bis zu zehn Millionen Infizierte nur in Deutschland geben. Der Freistaat Bayern zieht blank, Ministerpräsident Dr. Söder verhängt Ausgangssperren.

Der Mensch ist plötzlich gezwungen kürzer zu treten, sich zu entschleunigen. Das betrifft auch den Sport! Während die Fußball-Bundesliga in der vergangenen Woche noch heftig über die Machbarkeit von Geisterspielen in leeren Arenen diskutierte, hat die Deutsche Eishockey-Liga – DEL und DEL2 – bereits am vergangenen Mittwoch die Saison kurz vor dem Start in die Play-Offs für beendet erklärt. Bereits eine Woche zuvor hatten die Schweizer Profi-Fußball ausgesetzt, gleichermaßen die Italiener, die in Europa von der Pandemie am stärksten betroffen sind. In Russland fanden am Wochenende noch Fußballspiele vor 50.000 Fans statt, die erste russische Eishockey-Liga spielt immer noch – als wäre Corona im Land von Wladimir Putin eine Fata Morgana. Die Fans in Deutschland sind sich uneins, anscheinend ist das Ausmaß dessen, was auf uns alle noch in den nächsten Monaten zukommt, unklar.

Die größte Krise der Menschheit seit dem 2. Weltkrieg?

Transfermarkt.de führt aktuell eine Userumfrage durch, bei der 59,3 % der Fans für einen Saisonabbruch voten, 40,7% sind der Meinung, dass die Spielzeit fortgeführt werden soll. Experten meinen im Extremfall könnte es noch bis Ende des Jahres dauern, bis wieder sichere Spiele in Arenen reibungslos umgesetzt werden können. Und Japan? Das olympische Feuer ist angekommen – am 24. Juli sollen die Olympischen Spiele starten. Nur die größten Optimisten glauben das. Vielmehr wird es so sein, dass – nach 1940 – zum zweiten Mal Spiele im Land der aufgehenden Sonne ausfallen werden.

Und weil noch nicht ansatzweise klar ist, wie es mit dem Profisport weitergehen soll, ob die laufenden Wettbewerbe nur ausgesetzt und im Sommer fortgesetzt werden sollen oder final zu beenden sind, wurde das sportliche Highlight des Jahres, die Fußball-Europameisterschaft, auf nächstes Jahr verschoben. Ob man das Turnier im Winter oder im Sommer 2021 austragen möchte, steht noch in den Sternen. Mindestens einen weiteren Vorteil – neben dem Corona-Krisenmanagement – hat der geänderte Zeitplan: Jogi Löw gewinnt Zeit für den Umbau des Teams, die langzeitverletzten Leistungsträger Leroy Sané und Niklas Süle können sich in Ruhe auskurieren und Shooting-Star Kai Havertz kann noch zur internationalen Spitzenklasse heranreifen.

Ohne TV-Gelder, Werbe- und Ticketeinnahmen in die Pleite

Noch in der vergangenen Woche kommunizierten die Verantwortlichen der UEFA „man möchte am verabredeten Zeitplan festhalten und das Turnier mit dem Eröffnungsspiel am 12. Juni in Rom starten.“ Dabei wurde auch eine Corona-bedingte „Geister-EM“ diskutiert – Plan ist es, bei dieser Jubiläums-Europameisterschaft mit 24 Mannschaften in 12 Ländern und 12 Städten zu spielen. Die Ligen und Clubs haben sich durchgesetzt! Denn bevor ein internationales Turnier durchgeführt wird, möchten die Vereine aufgrund von Existenzängsten erst mal den eigenen Betrieb bis zum Sommer einigermaßen geregelt zu Ende bringen. Dass UEFA-Boss Aleksander Ceferin zu bedenken gab, der Verband würde mit der Turnier-Absage nun von Dienstleistern, Sponsoren und TV-Broadcastern in Regress genommen werden, hat niemanden beeindruckt. Auch wenn Ceferin 300 Millionen Verlust kommuniziert, die dann auf die Ligen verteilt und von diesen bezahlt werden sollen.

Aktuell ist jede Liga und hier jeder Verein sich selbst am nächsten. Die Bundesliga jedenfalls ist gegen die Corona-Krise und die damit verbundenen Einnahmen-Ausfälle nicht versichert. Die Deutsche Presse-Agentur schätzt einen Schaden von ca. 750 Millionen Euro, sollte die Saison abgebrochen werden. Nur der Posten entgangene TV-Einnahmen würde schon mit 370 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Bestimmt der Druck nach Geld die Gesundheit von Spielern und Fans?

Keine Spiele, keine TV-Übertragungen, kein Geld… In England droht der Super-Gau! Die Clubs der Premiere-League profitieren weltweit am besten von den lukrativen TV-Deals. Die Rechteinhaber Sky Sports und BT Sports überweisen jährlich 1,7 Milliarden Euro an die teuerste Liga der Welt. Sollte die Spielzeit in der Liga nicht wie mit den TV-Sendern verabredet beendet werden, droht ein Verlust von über 820 Millionen Euro. Entsprechende Ausfälle wären, wie in der deutschen Bundesliga, für einige Clubs existenzgefährdend. Das Ausmaß der finanziellen Bedrohung ist kaum absehbar, denn neben den vermeintlich nicht überwiesenen Fernsehgeldern würden entgangene Ticket- und Merchandise-Einnahmen das Finanzloch verstärken. Zudem wirkt sich die Corona-Krise auch auf die Liquidität von Sponsoren aus. So hat beispielsweise Chelsea London-Besitzer Roman Abramovich seit Jahresbeginn 2,6 Milliarden Euro Verlust mit seinem konventionellen Business gemacht.

Das Horrorszenario zieht schon seine Kreise, denn inzwischen geht es auch um die Gesundheit der Spieler: 96 Profis stecken in Quarantäne! Positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 wurden Spieler von Hannover 96, SC Paderborn, 1. FC Nürnberg und Holstein Kiel getestet.

Schweizer Club-Patron macht Tabula Rasa

Kampagne „Stay at Home“ des Schweizer Clubs FC Sion (Facebook FC Sion).

Auch im beschaulichen Schweizer Wallis hat es richtig gekracht: Der Super-League-Club FC Sion, immerhin nationaler Rekord-Pokalsieger, hat seinen Profi-Kader quasi aufgelöst. Weil sich nicht alle Spieler rechtzeitig mit dem Vorschlag von Patron Christian Constantin anfreunden konnten, in Kurzarbeit zu gehen, hat dieser acht Spielern fristlos gekündigt. Darunter Top-Stars wie Alex Song und Johan Djourou. Rechtlich dürfte dieser Schritt nicht durchhaltbar sein, aber die Fans fühlen mit dem Club, der Kosten einsparen muss. Und von 14.000 Euro Kurzarbeitergeld auf dem monatlichen Gehaltszettel, die von den Stars abgelehnt wurden, können die heißblütigen Ultras im Schatten des Mont Blanc nur träumen. Ein Glück, dass die Sittener noch kurz vor Ausbruch der Krise die erste Rate vom neuen Sponsor weeConomy AG verbuchen konnten. Gemeinsam will man unter dem Motto „wee Love Romandie“ und gemäß Vision von wee-Founder Cengiz Ehliz das heimische Stadion digitalisieren, mit dem stationären Einzelhandel technologisch vernetzen und für die Fans und Kunden im Einzelhandel Mobile Payment mit Cashback-Garantie über die weeApp des Sponsors anbieten. Dabei wird die Arena zum weltweit ersten offenen Stadion-Bezahlsystem im Profi-Fußball ausgebaut, nach dem Beispiel der weeArena im oberbayerischen Bad Tölz, der Heimstätte des Eishockey-Clubs Tölzer Löwen, umgerüstet.

Und ansonsten? Die drei für Mai angesetzten Rennen in der Formel 1 werden verschoben. Somit wird der Saisonauftakt frühestens am 7. Juni in Aserbeidschan erfolgen. Die French Open in Paris, nach Wimbledon DAS Top-Tennis-Turnier, wird in den September verschoben.