Trotz neunter Niederlagen-Pleite in Serie feiern die Fans

Es ist deprimierend, was derzeit auf dem Eis und rund um die Kufenflitzer der Krefeld Pinguine passiert. Einziger Lichtblick ist die verschworene Gemeinschaft der emotionalen Fans, die wie ein Mann hinter ihrem Team stehen und anscheinend nicht wahrhaben wollen, was derzeit passiert. Die ansonsten gut informierte Lokalpresse mit der Rheinischen Post und der Westdeutschen Zeitung scheint sich auch nicht so richtig aus der Deckung zu wagen. Sind die Medien nicht richtig im Film oder können bzw. dürfen sie nicht verlautbaren lassen, was hinter vorgehaltener Hand in Fachkreisen mehr oder weniger offen diskutiert wird? Muss man auf den umstrittenen Mikhail Ponomarev medial Rücksicht nehmen, da in Krefeld noch mehr als bei den Pinguinen der Fußball-Drittligist KFC Uerdingen an seinem finanziellen Tropf hängt? Welche Rolle spielen die Stadtwerke, die in beiden Clubs mehr oder weniger kräftig mitmischen? Und: Gibt es eine Connection zwischen Mobile Payment-Unternehmer Cengiz Ehliz und Cemal Gürkan, dem umtriebigen Manager der Yayla-Türk GmbH, die Anfang des Jahres die Namensrechte am Eistempel für fünf Jahre gekauft hat und dafür eine Million Euro investiert?

Der undurchsichtige Unternehmer und Pinguin-Gesellschafter Ponomarev pokert

Fakt ist: In den Kassen des Traditionsclubs klafft ein massives Etatloch, das sich von der letzten Saison in die aktuelle verschoben hat. Aber nicht nur das – die fehlenden ca. 500.000 Euro haben sich jetzt verdoppelt, da Investor Mikhail Ponomarev mit seinen 46 % Anteilen an der GmbH seinen damit verbundenen vertraglichen Verpflichtungen immer noch nicht nachkommt. Und der ansonsten wortgewaltige Macher der Pinguine, Wolfgang Schulz, Anteilseigner mit 48%, hat anscheinend keine Lust mehr finanziell in die Bresche zu springen. Matthias Roos, seriöser Eishockey-Geschäftsführer des Clubs, hat sich vor vier Wochen gegenüber den Medien offenbart. Er musste das tun, denn aussitzen könnte als Insolvenzverschleppung gewertet werden, sollte es tatsächlich so weit kommen. Ponomarev wiederum ging in die Offensive: Er spricht von Lizenzbetrug durch die Verantwortlichen der Pinguine, denn aus seiner Sicht wurden ihm die Zahlen vorenthalten.

Unternehmer Ponomarev ist in Krefeld beim KFC Uerdingen und bei den Pinguinen Geldgeber. (Screenshot RP-online.de)

Das Dilemma ist groß: Ponomarev kann nicht mehr mit Schulz, Roos nicht mehr mit Ponomarev. Den Pseudo-Oligarchen rauszukaufen setzt frisches Investorenkapital voraus. Und hier tun sich wiederum potenzielle Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft schwer, da ihnen aus der Vergangenheit heraus Schulz ein Dorn im Auge ist. Coach Brandon Reid ist nicht zu beneiden, da sich sein Kader für DEL-Verhältnisse aus einem Mini-Etat ergibt.

Wie kommt man als stolzer DEL-Club vom Regen in die Traufe?

Szenario 1: Ponomarev zieht sein Ding durch, Schulz will oder kann nicht ausgleichen, aus der heimischen Wirtschaft findet sich kein adäquater Investoren-Ersatz: Spätestens Anfang 2020 dürfte den Pinguinen die Luft ausgehen und die Insolvenz wäre logische Konsequenz. Damit wäre eine DEL-Lizenz frei.

Szenario 2: Ponomarev spielt aktuell abgezockt den Machiavelli, lässt die Pinguine weiter zappeln um dann im letzten Moment doch noch zu bezahlen. Allerdings nur in Verbindung mit der Übertragung der Mehrheit in der Gesellschaft. Hat er diese, wäre es für ihn ein leichtes die DEL-Lizenz meistbietend am Markt zu verkaufen. Er könnte damit Außenstände bezahlen, eine Insolvenz vermeiden und sich als rettender Sanierer positionieren, der seine Zahlungspflichten erfüllt hat. Mit dem sportlichen Fazit: Neuanfang in der Oberliga!

Szenario 3: Irgendwie schaffen es Roos und Schulz das Defizit, das Ponomarev hinterlassen hat, mit neuen Investoren und Sponsoren auszugleichen. Das würde aber bedeuten: Um auszubezahlen und im Wettbewerb einigermaßen gut mitspielen zu können, benötigt man eine einmalige Abstandssumme von geschätzt 5 bis 700.000 Euro für Ponomarev, den Ausgleich seiner offenen Posten von einer Million Euro und dann weitergehend Sponsoren-/Investorenmittel von schätzungsweise 2,5 Millionen Euro pro Saison. Wie soll das gehen?

Macher und Eishockey-Freak Cengiz Ehliz mit CSU-Ikone Dr. Edmund Stoiber

Die Samstagszeitung hat kürzlich die Vermutung lanciert, dass möglicherweise die Tölzer Löwen aus der DEL2 Interesse an einer DEL-Lizenz haben könnten. Das ist zwar weit hergeholt, aber es scheint ein Stück plausibel, dass sich der umtriebige Unternehmer Cengiz Ehliz, Oberbayer mit türkischen Wurzeln und Onkel von Nationalspieler Yasin Ehliz, mit Yayla-Türk abstimmt. Geld scheint beim Mobile Payment- und Cashback-Anbieter wee vorhanden zu sein. Man hat gerade die Tölzer weeArena technologisch umgerüstet, beginnt dasselbe Projekt in der Lausitz mit der weeEisArena bei den Lausitzer Füchsen, ist Hauptsponsor beim Oberliga-Spitzenreiter Deggendorfer SC und Premium-Partner bei EHC Red Bull München. Gerade erst wurde bekanntgegeben, dass das Stadion des Schweizer Fußball-Erstligisten FC Sion nach den Maßstäben des Schweizer Unternehmens wee digitalisiert und mit dem Einzelhandel im Kanton Wallis vernetzt wird. Sollte also der Produkteinstieg in der Rhein-Ruhr-Region geplant sein, wäre ein Engagement bei den Krefelder Pinguinen konsequent. Denn Aufmerksamkeit am Niederrhein – von Krefeld über Düsseldorf bis nach Köln – wäre dem Unternehmen zweifelsohne sicher. Aber genauso plausibel erscheint der Kauf der DEL-Lizenz für die Tölzer Löwen selbst, unabhängig von der aktuellen sportlichen Durststrecke in der DEL2. Denn Ehliz hat kürzlich seine Vision „Aufstieg 2021“ und „DEL-Meisterschaft 2026“ verkündet. Und dass der Vollblutunternehmer ernst macht, wenn er will, steht außer Frage.

Aus der DEL2 drängt sich kein Kandidat für ein 10 Millionen-Invest auf

Guckt man sich mögliche Kandidaten in der zweiten Liga für den DEL-Lizenzkauf an, gibt es wenige, die sich die DEL selbst zutrauen könnten. Immerhin müssten für den Lizenzkauf locker um die eine Million Euro auf den Tisch geblättert werden, zusätzlich ist ein Etat von mindestens um die acht Millionen Euro pro Saison zu sichern. Neben den Tölzer Löwen, die ihr Stadion weiter ausbauen müssten, kommen da hinsichtlich des finanziellen Potenzials nur die Frankfurter Löwen, die Kassel Huskies oder die Bietigheim Steelers in Frage. Vielleicht noch die Ravensburg Towerstars, die wie die Frankfurter emsig an den Plänen einer neuen Multifunktionshalle basteln.

In einem Punkt muss man Ehliz und die Tölzer Löwen respektieren: Auf Anfrage der Samstagszeitung haben Cengiz Ehliz und der Löwen-Geschäftsführer Christian Donbeck gegenüber den wachsenden Spekulationen respektvoll geschwiegen.