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Die großen eSports-Events mit bis zu 40.000 Fans werden jetzt online veranstaltet.

Mesut Özil, Antoine Griezman und Gareth Bale tauschen Fußballschuhe gegen Controller-Sticks

Heute wäre der 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga: schätzungsweise 350.000 Zuschauer in den Stadien würden mitfiebern, wenn die Liga in die letzten Runden einbiegt. Die Highlights wären gewesen: das ultimative Spitzenspiel Bayern München vs. Borussia Mönchengladbach, der Abstiegskrimi SC Paderborn vs. Werder Bremen und das UEFA-League Qualifikationsspiel FC Schalke 04 vs. Bayer 04 Leverkusen. Pustekuchen! Wann und ob die Saison tatsächlich zu Ende gespielt wird, möglicherweise mit Geisterspielen in leeren Arenen, weiß heute immer noch niemand. Die Corona-Pandemie hat den Profisport voll und ganz im Griff. Tatsächlich? Nein, denn da gibt es ja noch den eSport, über den viele Menschen die Nase rümpfen, weil sie nicht wissen was das ist. Oder meinen da „daddeln“ ein paar Gamer um die goldene Ananas.

Von wegen: Die Profiverträge der Spieler mit ihren Teams sind mehr oder weniger vergleichbar mit denen der Fußballprofis. Hier gibt es Auflaufprämien, Ausstiegsklauseln für Transfers, Ablösesummen, Sieg- und Meisterschaftsprämien. Die Topstars der globalen Szene sollen bis zu sieben Millionen US-Dollar pro Jahr verdienen. Das entspricht in etwa dem Gehalt von von Weltklasse-Verteidiger David Alaba bei Bayern München und ist mehr, als Barcelonas deutscher Keeper Marc-André ter Stegen verdient.

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Weltmeister Mesut Özil ist bekennender eSport-Fan.

Viele Profi-Fußballer nutzen die freie Zeit in der Pandemie, um die Fußballschuhe mit der Konsole oder dem Controller zu tauschen. Die Helden auf dem grünen Rasen spielen nicht nur aktiv das populäre „FIFA eWorld Cup 2020“-Spiel, sondern sind beispielsweise auch als Sponsoren oder Investoren bei den virtuell agierenden Profi-Teams engagiert. So hat beispielsweise Mesut Özil vor zwei Jahren sein eigenes eSports-Team „M10 eSports“ gegründet. Eine der ersten Amtshandlungen von Team-Chef Özil war der Transfer von „FIFA Ustun“, dem FIFA eSports Klub-Weltmeister, in sein eigenes Team.

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Gareth Bale wirbt auf Twitter mit seinem eigenen eSports-Team

Auch der Waliser und Real Madrid-Profi Gareth Bale ist Miteigentümer eines Top-Teams: der frühere Club-Weltmeister investierte in „ellevensesports“ und holte sich gleich den zweiten Platz bei der virtuellen Version der Klub-WM. Auch der französische Weltmeister Antoine Griezman vom FC Barcelona ist seit Kurzem ­– gemeinsam mit seinem Bruder Theo – im eSport engagiert. Beide treten als Team auf und spielen beispielsweise bei EA SPORTS FIFA 20 mit.

Die Pandemie ist für den eSport ein als Katalysator

Der eSport ist einer der Profiteure in der Corona-Krise. Die virtuellen Zuschauerzahlen steigen derzeit immens, was sicher auch dem Ausfall von Live-Events geschuldet ist. Große Events wie das Dota-2-Event in Los Angeles konnten zwar nicht wie geplant stattfinden, können aber online und zeitnah nachgeholt werden. Als Problem wirkt sich die Krise aber trotzdem aus: Mit einer alternativen Online-Austragung zu den ausgefallenen diversen Live-Series kann zwar der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden, die Einnahmen aus Ticketing, Merchandising und Sponsoring fehlen aber bei der wirtschaftlichen Planung.

BMW setzt bei Image und Zielgruppen auf eGamer

BMWs neuer Markenchef Jens Thiemer hat die Bedeutung von eSports für seine Marke erkannt: Die Münchner Automobilbauer haben sich jetzt mit fünf Weltklasseteams aus der Serie „League of Legends“ verbündet. Auch der aktuelle Vize-Weltmeister des Spiels, der Clan G2 Esports aus Berlin, darf sich über ein kräftiges Sponsoring freuen. Allerdings engagiert sich BMW bereits seit 2017 im eSport: Startend mit einem Sponsorship beim Finale der „League of Legends“, das in Paris veranstaltet wurde. „Wir betrachten diesen Sport als eine vielversprechende, wachsende Ergänzung unserer Marketingaktivitäten, die BMW auf seinem Weg zu einer emotionalen Marke unterstützt, mit der sich Menschen identifizieren,“ so der oberste Marketer des Automobilproduzenten mit den bayerischen Landesfarben im Logo.

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Top-Stars der eSport-Szene verdienen Millionengehälter.

eSports ist schon lange kein Randthema mehr. Es geht nicht um Gaming – vielmehr um Sport, Leistungssport. Das bedeutet: wettkampfmäßiges Spielen von Videospielen. Die bekanntesten Spiele sind „CS: GO“, „Dota 2“ und „League of Legends“. Der aktuelle Umsatz beim eGaming beträgt weltweit ca. 951 US-Dollar. Für 2023 prognostizieren Marktforscher 1,56 Milliarden US-Dollar. Umsatzprognosen für Deutschland im Jahr 2023: 144 Millionen Euro! Diese Erlöse stammen aus Merchandising und Ticket-Verkäufen, Sponsorings, Medienrechten, Digital-, Streaming- und Game-Publisher-Gebühren. Die Anzahl der Fans, die sich die Wettkämpfe online und bei Events ansehen, soll von weltweit 443 Millionen im Jahr 2019 auf 645 Millionen im Jahr 2023 steigen. Rekordverdächtig sind auch die Preisgelder bei Turnieren: Mit 34 Millionen US-Dollar an ausgezahlten „Leistungsprämien“ im Jahr 2019 ist hier die Turnierreihe „The International“ Spitzenreiter.

eSports noch nicht in Köpfen der Deutschen

Befragt man die Deutschen zu eSport, so kennen 19 Prozent diesen Sport. In der Altersgruppe der 16 bis 24-Jährigen sind es 44 Prozent. Aktuell werden in Deutschland auf dem Sender Twitch.tv monatlich 20,3 Millionen Stunden eSport-Spiele von Fans konsumiert. Wohlgemerkt: Das ist nicht die Zeit, in der Fans selbst spielen, sondern die Zeit, die Fans im „virtuellen Stadion“ verbringen, um den Profis beim Spielen zuzuschauen. Statista veröffentlichte kürzlich eine Umfrage zum Thema eSports als Sportart. Demnach meinen ca. 31 Prozent, dass eSport – ihrem Verständnis nach – eine Sportart sei. In der Gruppe der 16 bis 29-Jährigen waren 38 Prozent dieser Meinung.