Alles aus Liebe – unter diesem Motto verkaufte die Fortuna aus Düsseldorf eine limitierte Trikot-Edition mit dem Totenkopf-Logo der Punkband „Die Toten Hosen“.

Fortuna Düsseldorf und die Punk-Band „Die Toten Hosen“, die „Hammers“ aus London im Doppelpass mit Iron Maiden, der FC Watford und Pop-Ikone Elton John… der Profi-Fußball und das globale Music-Business haben eine teils tiefgreifend gelebte Symbiose. Aber anders als man denkt: Die Bands stecken keine Millionen-Budgets in die Top-Clubs, um noch bekannter zu werden oder sich Sympathien bei den Fans zu erkaufen. Vielmehr geht es um ein Stück Heimat, echte Liebe und darum, ein Stück vom Kuchen zurückzugeben… Ein Stück vom Erfolgs-Millionen-Kuchen der Band, wozu der heiß geliebte Club anscheinend aktiv mit beigetragen hat. 

Fußballfans und Fans von Popstars, Punk-Gruppen, Hard-Rockern zeichnen sich durch eine wesentliche Gemeinsamkeit aus: Sie gehen mit ihren geliebten Idolen durch dick und dünn, ganz egal, ob das Spielfeld im Stadion oder auf der Bühne liegt. Der wahre Fan-Charakter zeigt sich, wenn die Idole wieder mal am Boden liegen – im Fußball der Abstieg in die nächsttiefere Liga droht, bzw. die Lieblingsband durch Alkoholexzesse oder Drogenprobleme in ihrer Existenz bedroht ist. Was gibt es für die Fans Schöneres als mitzuleiden, als Kraft zu spenden, als weiter an eine bessere Zukunft, eine Renaissance des früheren Erfolgs zu glauben?

An Rhein und Themse verbrüdern sich Kult-Bands mit ihren Lieblingsclubs

Aktuell können die Erstliga-Clubs Fortuna Düsseldorf aus der Bundesliga in Deutschland und West Ham United aus der Premiere League in England ein Lied darüber singen, das zumindest in Sachen Merchandise-Erfolg auf dem besten Wege ist, die Charts zu erobern: Denn die die beiden Kultbands „Die Toten Hosen“ und Iron Maiden identifizieren sich mit den beiden Clubs und den hunderttausenden Fans dieser beiden Communitys. Und umgekehrt ist das exakt genauso.

Aber der Reihe nach: Campino und Konsorten sind Ur-Düsseldorfer, seit Kindertagen eingefleischte Fortuna-Fans. Vor 30 Jahren beschlossen sie erstmals, ihrem klammen Verein zu helfen. Die Idee war einfach: Von jedem Ticket, das die Band auf ihrer Deutschland-Tour verkaufte, floss eine Mark in die Vereinskasse, um neue Spieler kaufen zu können. Der bekannteste Transfer, der hiermit finanziert wurde, war der von Toni Baffoe, Ghanaischer Nationalspieler. Unter dem Motto „ein Bein für Toni Baffoe“ ging die Band auf Tour und realisierte im Juli 1989 den Wechsel zur Fortuna. Einige Jahre später fand sich die Fortuna in der viertklassigen Oberliga Niederrhein wieder und stand kurz vor der Pleite. Die Toten Hosen sprangen als Haupt- und Trikotsponsor ein, auf der Brust der Profis prangte für zwei Jahre das Totenkopf-Logo der Band. Angeblich verkaufte der Club gut 100.000 Trikots und vereinnahmte damit ca. sieben Millionen Euro als finanzielle Basis für den Wiederaufstieg bis in die Bundesliga. Im Jahre 2012 erhielt die Band aufgrund ihrer Verdienste für die Fortuna die Ehrenmitgliedschaft.

Die Fans der Fortuna und der Toten Hosen überbieten sich beim Online-Shopping. (Quelle: Google)

Im Herbst 2019, also 30 Jahre nach dem Start des Engagements bei der Fortuna, haben der Club und die Band ein Shirt als Limited Edition zum Preis von 79,95 Euro auf den Markt gebracht, dessen Umsatz direkt in den Aufbau des Nachwuchsleistungszentrums der Fortuna fließt. Im Nu war das Shirt ausverkauft – Liebhaber können das Kultobjekt jetzt für teils horrende 500 Euro auf Ebay ersteigern! Im wahrsten Sinne des Wortes – wahre Liebe!

Der Arbeiterclub aus London mit internationalem Heavy Metal-Flair

Ähnlich verhält es sich mit der Heavy-Metal-Band Iron Maiden und dem Fahrstuhl-Club West Ham United aus London, der trotz milliardenschwerer ausländischer Investoren anscheinend nie die Erfolgskurve hinbekommt, um sich in der Premiere League erfolgreich zu etablieren. Von der Meisterschaft träumen die Weinrot-Hellblauen bis heute – der letzte große Triumph stammt aus der Saison 1974/75, als man Pokalsieger auf der Insel wurde. Bis 1995 spielte Ikone Frank Lampard als Junior beim Londoner Arbeiterclub, bevor ihn der FC Chelsea holte und seine Weltkarriere begann.

Heavy-Metal-Shirts von Iron Maiden und ein Fußball-Trikot von West Ham United als Verkaufs-Hit im Onlineshop der Rocker.

Steve Harris, legendärer Bandbassist, ist seit 1965 bekennender Fan von West Ham. Der Club spielt in der O2-Arena, und im Sommer 2018, nach zwei ausverkauften Konzerten in diesem Stadion, überfluteten die Heavy-Metal-Fans den Merchandise-Shop, um sich mit Souvenirs einzudecken. Souvenirs von West Ham United, wohlgemerkt! Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit zwischen Club und Band ist diese plötzliche Vernetzung von Fußball-Merchandise und Band-Kult. Die neue Shirt-Serie trägt den Titel des Iron Maiden-Songs „Die With Your Boots On“ von 1983. Und was haben die Shirts von Fortuna Düsseldorf und Iron Maiden gemeinsam? Genau – kurz nach Verkaufsstart waren auch die Regale in London mit dem 44 Pfund-Trikot schon wieder leer!

Fast 100.000 Likes beim West Ham-Post von Iron Maiden auf INSTAGRAM (Quelle: Instagram)

Die gelebte Identifikation von Bands mit ihrem Lieblingsclub ist nicht neu: So präsentierte sich beispielsweise Mitte 2015 die Heavy Metal-Band „Heaven Shall Burn“ als Trikotsponsor bei dem Thüringer Fußball-Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena mit einem sechsstelligen Euro-Invest für das Sponsorship. Das Ziel? Dem klammen Club aus der finanziellen Not helfen, so drei Bandmitglieder, die seit Jahren eingefleischte Dauerkartenbesitzer im altehrwürdigen Ernst-Abbe-Stadion sind.

Ein Stück Erfolgskarriere dem Lieblingsclub schenken

Eigentümer, Fan oder aktuell Ehrenpräsident ist Sir Elton John beim Londoner Vorort-Club FC Watford, immerhin englischer Meisterschafts-Zweiter in der Saison 1982/83. Der Popsänger liebt diesen Club, der für ihn ein Stück Heimat darstellt. Und deswegen hat er, so wird kolportiert, gut 20 Millionen seiner Tantiemen und Gagen in diesen Club investiert, als Herzenssache… Deshalb ist er auch nicht böse, dass inzwischen der italienische Familienpatriarch Giampaolo Pozzo den Club gekauft hat.