A.PAES / Von showcake – Shutterstock.com
Corona lässt grüßen: Fankultur in leeren Stadien nicht möglich.

Fanszene wehrt sich gegen Entscheidungen von Politik und Verbänden

Die Initiative „Fanszenen Deutschland“, in der die meisten deutschen Ultragruppen organisiert sind, hat durch die Corona-Krise ein massives Problem bekommen: Seit die „Geisterspiele“ ohne Zuschauer durchgeführt werden müssen, verlieren die organisierten Traditionalisten und Romantiker unter den Fans zunehmend an Macht und Einfluss. Denn wer in unserer schnelllebigen Zeit nicht gesehen oder gehört wird, ist sehr schnell medial von der Bildfläche verschwunden. Manche Teams in der Bundesliga leiden zudem stark unter der fehlenden Motivation durch die fanatischen Sprechchöre und spektakulären Choreografien dieser organisierten Hardcore-Supporter. Insbesondere die Teams von Schalke 04 oder Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt und Borussia Mönchengladbach brauchen diesen emotionalen Kick im Kampf um endscheidende Punkte. Experten sind sich einig: Dem Hamburger SV hat die fehlende Kulisse bei Heimspielen den Aufstieg gekostet!

Die Fanszene macht auch aktiv Politik, Gegner sind die Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und die Manager der Deutschen Fußball Liga (DFL): So wehrt man sich bundesweit flächendeckend gegen Kollektivstrafen „zum Schutze eines Milliardärs“, geht dabei seit Jahren den Förderer der TSG 1899 Hoffenheim, Dietmar Hopp, aggressiv an und ignoriert durchweg die erfolgreiche Entwicklung des Projekts Red Bull in Leipzig.

Ganz aktuell – und resultierend aus Corona – möchte die Politik eine für die Fans heilige Kuh beerdigen. So soll schon kurzfristig der Identitätsnachweis, also die identifizierbare Eintrittskarte, für alle Zuschauer bei Spielen der Fußball-Bundesliga verpflichtend sein. Hermann Winkler, Präsident des sächsischen Fußballverbandes, plädierte kürzlich im ARD-Mittagsmagazin für personalisierte Eintrittskarten während und nach Corona. Ein Aufschrei geht jetzt durch die empörte Fanszene! Denn von den Daten könnte die Polizei profitieren. Viele Menschen sind aktuell bereit, im Sinne des Pandemie-Schutzes persönliche Daten freiwillig bereitzustellen. Sei es über die Corona-Warn-App oder bei einem Besuch in einem Restaurant oder einer Bar. Aber gilt das auch in normalen Zeiten?

Profi-Fußball setzt auf Geisterspiele zum Start der neuen Saison

Fan-Organisationen und Verbände berieten bis Anfang August in einer Arbeitsgruppe mit der DFL und dem DFB darüber, wie bei einem Ende der Geisterspiele wieder eine reduzierte Anzahl von Zuschauern in die Stadien kommen könnte. Meinungsbildner der Fanszene tendierten sogar dazu, erst wieder bei einer möglichen Vollauslastung der Arenen mit Fans zu starten, da eine faire Qualifizierung für ein Ticket, bei einer staatlich verordneten Kontingentierung, wahrscheinlich nicht möglich ist. Entschieden wurde nun, dass Gästefans nicht zugelassen werden, Stehplätze gesperrt bleiben, der Zutritt heimischer Fans nur mittels personalisierter Tickets erlaubt wird und Alkohol im Stadion prinzipiell nicht mehr verkauft werden darf. Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder hält – stellvertretend für die Mehrzahl der Politiker – Bundesligaspiele mit bis zu 25.000 Zuschauern in der aktuellen Pandemie nur für sehr schwer vorstellbar.

Neben den klassischen Ticketanbietern wie beispielsweise Eventim, die vor Corona mindestens 200.000 Events international realisiert haben, scheint auch der Schweizer Mobile Payment- und Cashback-Spezialist wee für die technologische Umsetzung von personalisierten Tickets gerüstet zu sein. Erst kürzlich wurde die technologische Infrastruktur mit digitalen Bankdienstleistungen aufgeladen. In einigen Pilotregionen werden derzeit Arenen bei der Markterschließung nach dem Vorbild der weeArena in Bad Tölz digitalisiert. Bedingt durch Corona findet aktuell die europäische Markterschließung mit Fokus auf den klassischen Einzelhandel statt. Perspektivisch sollen 100.000 neue stationäre Einzelhändler, Hotellerie- und Gastronomiebetriebe sowie Dienstleister für wee gewonnen werden. Verbunden mit dieser Strategie ist die Nutzung der weeApp oder weeCard von rund fünf Millionen Nutzern als mobiles Bezahlsystem mit Cashback-Garantie. Da die Nutzung des Systems nur über eine persönliche Identifizierung möglich ist und App oder Karte auch als Stadionticket konfiguriert sind, könnten die Schweizer mit dieser Technologie unerwartet von Corona profitieren.

Personalisierte Tickets zukünftig Bestandteil der Sicherheitsstrategie

Sicherheitsexperten drängen schon länger darauf hin, die Tickets für Sportveranstaltungen, aber auch für Konzerte und Freizeiteinrichtungen zu personalisieren. Man könnte hiermit möglichen Terroranschlägen vorbeugen, im aktuellen Fall der Bundesliga aber auch Datenmaterial zur Aufklärung von Gewaltexzessen oder verbotenen Pyro-Aktionen sammeln. Bei den internationalen Verbänden wie der FIFA oder der UEFA ist diese Prävention schon längst gängige Praxis. Als Fan erhält man bei großen Turnieren, den Endspielen der Champions- und Europa League, nur Zutritt über den Kauf entsprechend autorisierter Tickets. Weswegen Funktionäre die aktuelle Diskussion in der Fanszene nicht verstehen. „Denn“, so argumentiert Sachsens Fußball-Präsident Winkler, „die Identifikation beim Ticketkauf sorgt dafür, dass gewaltbereite Fans, die auf Stadionverbotslisten oder in anderer Weise im Fokus der Sicherheitsbehörden stehen, so keinen Zugang zu den Spielen bekommen.“ Die aktuell notwendige Kontaktverfolgung in Corona-Zeiten könnte schon bald zu einer flächendeckenden Maßnahme für alle Events – nicht nur in Deutschland – ausgebaut werden. Nicht zuletzt auch, um den Weiterverkauf von Tickets zu Schwarzmarktpreisen einzudämmen.