Michael Gogl, NTT Pro Cycling Team, während der zweiten Etappe (Foto : A.S.O. /Alex Boadway, Quelle : letour.fr)

Vermarkter AMO verbucht rund 150 Millionen Euro Umsatz

Es gibt weltweit keine Profi-Sportart, die bei der Finanzierung so stark von Sponsoren abhängt wie der Radsport. Unangefochtener Höhepunkt der alljährlichen Radsport-Saison ist die Tour de France, die am Samstag in Nizza zum 107. Mal startete. Deutsches Free-TV überträgt alle 21 Etappen mit dem Zielort Paris am 20. September. Mehr denn je sichern Sponsorengelder auch bei dieser durch Corona geprägten Tour die Durchführung der Veranstaltung. Bis vor einigen Jahren waren die Sponsorships für den Veranstalter eine wahre Gelddruckmaschine. Gut 40 Prozent betragen die Sponsoring-Einnahmen immer noch am Gesamtbudget. Doch auch hier greifen Einsparmaßen.

Corona lässt grüßen: Der Sieger der zweiten Etappe, Julian Alaphilippe, auf dem Treppchen in Nizza mit Mundschutz. (Photo A.S.O., Alex Broadway, Website letour.fr

Laut dem Sport-Fachmagazin Sponsors steht und fällt die Tour „… mit den zahlungskräftigen Sponsoren, die 60 bis 80 Prozent ihres jährlichen Werbewertes in der Frankreich-Rundfahrt generieren… Im Idealfall wird ein Team-Sponsor direkt mit großen Erfolgen assoziiert, aber wenn es schlecht läuft, findet er sich in Skandalen wieder.“ Das deutsche Team Bora-hansgrohe – Küchenhersteller und Sanitärtechnik-Produzent – möchte bis 2024 satte 40 Millionen Euro in den eigenen Radstall investieren. Das Sky-Team mit den Hauptsponsoren Sky, Sky Italia und 21st Century Fox lässt sich eine Saison gut 36,6 Millionen Euro kosten.

TV-Grundversorgung für Radsport-Fans gewährleistet öffentlich-rechtliches Free-TV

In Deutschland berichtet die ARD live im Ersten Programm und mit ihrem Spartensender One von diesem Spektakel aus Frankreich. Für den dreijährigen Vertrag, der 2019 abgeschlossen wurde und bis 2021 geht, zahlt der öffentlich-rechtliche Sender, so wird kolportiert, gut 7,4 Millionen Euro. Nimmt man die Produktionskosten hinzu, dürfte sich ein Gesamtbudget von über 10 Millionen Euro ergeben. Die Tour 2020 findet ausschließlich in Frankreich statt. Sie führt auf 3.470 Kilometern durch sechs Regionen und 32 Departments. 22 Teams sind aktuell am Start.

Automarke Skoda und Finanzdienstleister LCL über Jahre Top-Sponsoren der Tour

Es gab und gibt so gut wie keine Dienstleistung, für die nicht ein Partner gewonnen wird. Vier Hauptsponsoren umfasst der „Club der Tour de France“, darunter seit Jahren die VW-Marke Skoda als Partner für den Fuhrpark und der Finanzdienstleister LCL. Laut Laurent Lachaux, dem Marketingchef, beträgt der Wert an Geld oder Sachleistungen, den jedes Clubmitglied im Jahre 2012 einbrachte, zwischen 3,5 und 5 Millionen Euro. Neben Skoda und LCL waren lange Zeit die Supermarkt-Kette Carrefour und die Wassermarke Vittel hier an vorderster Stelle engagiert. In Sachen Supermarkt ist jetzt E.Leclerc mit an Bord und der Reifenhersteller Continental ersetzt die Wassermarke Vittel, die sich auf der darunterliegenden Sponsorenebene mit reduziertem Budget als Partner präsentiert. Auf dieser Sponsorenebene befinden sich seit Jahren die offiziellen Partner wie der Zeitmesser Tissot, der Sportartikelhersteller Le Coq Sportif oder der Gasproduzent Antargaz, die jeweils zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro in den Werbeauftritt bei der Tour investierten. Die offiziellen Lieferanten wie diverse Caterer, eine Hotelkette, Airline oder verschiedene Fahrradhersteller finanzieren mit Sach- und Geldbeträgen in der Größenordnung von 300 bis 500.000 Euro.

Mit der Tour de France wird viel Geld verdient

Und was verdienen die Hauptdarsteller, die Radprofis, bei der Tour? Jeder Etappensieger erhält 11.000 Euro, für die Folgeplätze gibt es je 5.500 und 2.800 Euro. Der Gesamtsieger darf sich über ein Preisgeld von 500.000, der zweite auf 200.000 und der dritte auf 100.000 Euro freuen. Alle Teams der World Tour, welche die Tour de France einschließt, müssen ihren Fahrern mindestens 38.115 Euro pro Jahr an Gehalt zahlen. Athleten unter 25 Jahren müssen sich mit 29.370 Euro begnügen. Spitzenreiter in Sachen Lohn sind der Tour-Seriensieger Christopher Froome oder Vincenzo Nibali, die vermeintlich jeweils bis zu 6 Millionen Euro pro Saison verdienen sollen.

Obwohl die Tour de France wie der gesamte Profi-Radsport unter den Doping-Skandalen der Vergangenheit leidet, verbucht die ausrichtende Agentur Amaury Sport Organisation (AMO) nur mit der Tour ein geschätztes Umsatzvolumen von gut 150 Millionen Euro pro Saison. Der gelernte Journalist Christian Prudhomme ist als Geschäftsführer der AMO nicht nur Chef-Organisator und Vermarkter des weltweit größten Radsport-Festivals. Weitere Highlights auf der Agenda des 59-Jährigen sind alljährlich der Paris Marathon und die Rallye Dakar.

Die ASO ist ein wichtiger Baustein der 1944 gegründeten Amaury-Verlagsgruppe, die ihre Wurzeln in der Resistance hat. Emilien Amaury war im Widerstand gegen die deutschen Besatzer aktiv, gründete zunächst das Blatt „Le Parisien“ und kaufte später die Sportfach-Zeitschrift L´Équipe hinzu, die sich – neben der Sportberichterstattung aus aller Welt – insbesondere auf den Radsport fokussiert hat.

Tour de France setzt auf Kontrollen und Strafen

Prudhomme hat es geschafft, die Tour de France zu einem wirtschaftlichen und medialen Mega-Event zu entwickeln, der global strahlt und glänzt. Die Radsportnation Deutschland verhält sich gegenüber der Tour aufgrund der Skandale rund um die Jahrtausendwende immer noch eher reaktiv. Im Gegensatz dazu explodiert in den vergangenen Jahren das Interesse in Frankreich, Belgien und Großbritannien. Inzwischen hat die Begeisterung für die Tour längst auch den Nahen Osten, Asien und Südamerika erreicht. Der Macher Prudhomme tut alles dafür, dass der Sport heute sauberer ist: Es gibt keine andere Profi-Sportart, bei der so engmaschig und häufig kontrolliert wird. Hierbei ist die französische Dopingaufsicht eingebunden, die gegen Sünder härter vorgeht als die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.