Auf dem Cover des FIFA-Magazins: „Welttorhüter“ Lutz Pfannenstiel bei Climate Kicks in Afrika (Foto: Global United FC)

10-jähriges Jubiläum der Fußball-Foundation Global United FC

Wie nennt man am besten einen Fußball-Club, der in keiner konventionellen Liga kickt, aber gespickt ist mit hunderten von hochkarätigen Fußball-Legenden? Um nur einige zu nennen: aus Liberia George Weah, aus Belgien Jean Marie Pfaff, aus Kroatien Niko Kovac und Robert Prosinecki, aus Tschechien Pavel Nedved, Jan Koller und Pavel Kuka, aus England John Barnes und die Neville-Brüder, aus Finnland Jari Litmanen, aus Frankreich Christian Karembeu und Zinedine Zidane, aus Deutschland Fredi Bobic, Lutz Pfannenstiel, Jörg Albertz, Martin Driller, Lothar Sippel, Olaf Marschall… Jeder für sich eine Ikone! Weltmeister, kontinentale Champions, nationale Meister. Jeder einzelne mindestens eine Legende mit mehreren hundert Profi-Spielen…

Welche Ziele gibt sich ein gemeinnütziger Verein, der weltweit mit der Botschaft „We love football. We love our planet“ operiert? Welche gemeinsame Vision verfolgen 500 Ex-Profis aus über 40 Ländern, die gemeinsam gut 125.000 Profi-Spiele in allen großen Ligen dieser Erde als Erfahrung mit einbringen? Wie stemmt man ambitionierte soziale und ökologische Projekte, wenn die Vereinsmitglieder nicht einmal einen Mitgliedsbeitrag bezahlen müssen? Wie motiviert man Top-Stars dort hinzugehen, wo es wirklich weh tut? … Um in unzugänglichen Katastrophengebieten persönlich an vorderster Front Ersthilfe zu leisten, in gefährlichen Townships während der Corona-Pandemie Suppenküchen zu finanzieren und zu betreiben, auf den marodesten Fußballplätzen in Afrika gegen Teams aus Waisenhäusern zu kicken? Und vor allem: Wer sind die verschworenen Köpfe und Macher einer solch einzigartigen Institution?

„Climate Kicks“ mit je wechselnder Weltauswahl helfen die Charity zu finanzieren. Hintere Reihe, links außen, „Chef“ Rainer Hahn. (Foto Global United FC)

Die Spur führt – man mag es nicht glauben – ins beschauliche Landshut nach Niederbayern. Dort sitzt das „Global Office“ von Global United FC. Rainer Hahn, Ex-Manager aus der Verlagsbranche, kennt seine Jungs, alle Marotten, alle Ausreden – aber auch die große Leidenschaft, sich für die Projekte weltweit zu engagieren. Der Niederbayer versteht sich blind mit dem Founder und Vorstandschef, Lutz Pfannenstiel, der aus dem bayerischen Wald aus Zwiesel stammt, eine spektakuläre Weltkarriere als Torhüter hingelegt hat, als Profi auf allen Kontinenten dieser Erde spielte, um dann, nach einem Zwischenstopp als Chefscout bei der TSG 1899 Hoffenheim, bei der Düsseldorfer Fortuna als Sportvorstand anzudocken.

„Lutz hatte am Ende seiner Karriere ein paar Probleme“, erzählt der Sportmanager Hahn in aller Bierruhe. „In Singapur wurde er Opfer einer Intrige der Wettmafia und musste drei Monate unberechtigt ins Gefängnis. Was er dort erlebt hat, ist unvorstellbar. Diese Zeit hat ihn maßgeblich geprägt, aus dem Luftikus wurde ein ernster Mensch, der der Welt ein Stück von dem zurückgeben wollte, was diese ihm mit dem Glück, Profifußballer sein zu dürfen, geschenkt hat.“

Gemacht und getan: Mit Freunden im Katastrophenschutz!

Lutz Pfannenstiel überredete seinen Kumpel und früheren Mitspieler Geert Brusselers, u.a. bis vor einiger Zeit Nachwuchschef beim holländischen Erstligisten PSV Eindhoven, aktiv mitzuhelfen. Gemeinsam mit anderen Ex-Profis und noch aktiven Kickern wurde bei Katastrophen spontan Geld eingesammelt, es wurden dann Tickets gebucht, man flog direkt ins Auge des Orkans, um zu helfen. Bei den Flutkatastrophen in Südostasien vor einigen Jahren oder dem verheerenden Erdbeben in Haiti, halfen die Kicker Leichen zu bergen, Verletzte zu versorgen, kauften säckeweise Reis, um die notleidende Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen.

Über die erste Zeit und die eher unkonventionellen Projekte der „Foundation“ schmunzelt Rainer Hahn. „Ich bin nach gut drei Jahren dazugekommen. Erstmal galt es einiges zu ordnen, Projekte zu strukturieren und natürlich auch steuerliche Dinge zu regeln.“ Der Ex-Geschäftsführer einer Tochter des Süddeutschen Zeitungsverlags blickt jetzt, nach zehn Jahren seit der Gründung, zufrieden zurück: „Ich bin vor allem auf drei Dinge stolz: Erstens gibt es bei uns kein Geld zu verdienen, jeder der Jungs engagiert sich ehrenamtlich für die Projekte, ohne dass wir Honorare bezahlen. Zweitens machen wir keine PR-Veranstaltungen. Wir gehen wirklich dorthin, wo es weh tut. Ohne Megaphon! Wenn wir in Afrika ein Baumpflanz-Projekt machen, dann schaufelt jeder mit und wässert. Und wenn es um die Einrichtung neuer Suppenküchen geht, dann wird gemeinsam eingekauft, gekocht, Essen ausgegeben und abgewaschen. Da werden keine Ausnahmen gemacht. Alles Geld, was wir über Sponsorships oder Spenden einnehmen, läuft direkt in die Projekte, die wiederum vor Ort von unseren Spielern als Paten betreut werden. Und drittens – wir haben unsere eigene Philosophie und lassen uns durch nichts und niemanden instrumentalisieren. Weder von der Politik, noch von der Wirtschaft oder Verbänden, geschweige denn von anderen Hilfsorganisationen.“

Unser Bill Gates ist ein Team aus 500 Fußballern.

Natürlich sind nicht alle Mitstreiter gleichermaßen aktiv. „Aber das braucht es auch nicht,“ so Rainer Hahn. Von unserer Weltauswahl haben sich ungefähr 180 bereits aktiv in Projekte und Events eingebracht. Die anderen fungieren als Botschafter, öffnen uns Türen und stärken das Netzwerk oder sorgen für mediale Aufmerksamkeit unserer guten Sache.“ Der Niederbayer ist sich des einzigartigen Kapitals seiner Foundation bewusst: „Wir haben leider keinen Bill Gates, der uns einige Milliarden Dollar für Projekte in die Schatulle legt. Unser Kapital sind aber die Menschen, die sich für und mit uns einsetzen. Das sind rund 500 aktuelle oder Ex-Fußballer, die alle über ein herausragendes Netzwerk verfügen. Und Spaß haben, mit dabei sein zu können! Und wir haben Dietmar Hopp, der uns und unsere Projekte über seine Stiftung mit Augenmaß unterstützt.“

Der inzwischen 54-jährige, der selbst erfolgreich kickte, blickt voller Stolz auf langjährige strategische Partnerschaften mit der TSG 1899 Hoffenheim, SAP, der Dietmar Hopp-Stiftung, VIVA CON AGUA, dem Wasserprojekt des FC St. Pauli oder der myclimate-Foundation. „Wir engagieren uns für den weltweiten Schutz des Klimas und der Umwelt. Und natürlich helfen wir Menschen, die in Not geraten sind. Wir hängen das nicht an die große Glocke, wir machen das einfach. Dafür organisieren wir u.a. mit aktuellen und Ex-Profis Benefizspiele oder Aktionswochen, meist an ungewöhnlichen Orten.“

Nachhaltigkeit steht bei den Projekten von Global United FC an vorderster Stelle

Neben ihm als Generalsekretär und Lutz Pfannenstiel ist im „Action Board“ noch Fredi Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt vertreten. „Gemeinsam projektieren wir nicht nur Projekte in Afrika. Mir selbst liegt der Bienenschutz sehr am Herzen, weswegen wir hierfür in Deutschland mit unterschiedlichsten Projekten aktiv sind.“

Die Zahlen sprechen für sich:

  • Gut 100.000 Kinder sind in Projekten involviert, die sich – mit Schwerpunkt in Afrika – Recycling und Baumpflanzung widmen.
  • Bis dato wurden > eine Million Mahlzeiten in Suppenküchen zubereitet und an hilfsbedürftige Kinder ausgegeben.
  • In die Bienenschutzprojekte sind 30 Schulen und Gemeinden integriert, Schwerpunkt in Süddeutschland.

Sie alle träumen seit Jahren von einem Highlight in der eisigen Welt der Arktis: Vom chilenischen St. George Island würde man gerne mit einem Eisbrecher ins ewige Eis fahren, um dort ein Fußballspiel zwischen den Top-Stars des letzten Jahrzehnts zu veranstalten. Der Plan: Je Mannschaften der „nördlichen“ und „südlichen Hemisphäre“ sollen – live übertragen via Internet – mit diesem historischen Kick ein Mahnmal für unsere angeschlagene Umwelt setzen. Medial möchte Global United FC eine weltweite Aufmerksamkeit erzielen, vergleichbar mit dem Sprung von Felix Baumgartner aus dem All im Oktober 2012. Der Brausehersteller Red Bull hatte das Projekt mit einem Millionenbudget finanziert und weltweit Aufsehen erregt. Aktuell finden Gespräche für eine mögliche Realisation statt. Ob das Netzwerk vom Pay-TV-Sender Sky oder der Streaming-Dienst DAZN als Presenter zur Verfügung stehen, darüber möchte Rainer Hahn aktuell nicht sprechen. „Project in progress“, so der lapidare Kommentar! Fakt ist aber: Sollte Diego Maradona mit Ronaldo im Nike-Outfit am Anstoßpunkt stehen und Thomas Müller mit Raul, „dressed in Adidas“, auf den ersten Ball warten, dürfte weltweit ein uneinholbarer Viewer-Rekord erreicht werden. Eine geschätzte Milliarde Menschen würde dieses Jahrhundertspiel sicher am Computer, via Smartphone oder TV-Gerät konsumieren.

„Verrückte Sachen haben wir auch schon in der Vergangenheit gemacht,“ lacht Rainer Hahn. „Ich erinnere mich an die Biathlon-WM 2012 in Ruhpolding, als Lutz Pfannenstiel in einem eigens gebauten Iglu in den Hungerstreik für die Anliegen der Umwelt getreten ist und fast erfroren wäre. 2014 haben wir dann unserem Ehrenmitglied Tilmann Meuser und seiner Firma CP/Consult bei einem Plagiatsstreit gegen den SSC Neapel und der Firma Macron geholfen: Das Ergebnis konnte sich sehen lassen – die Medienkampagne, in der wir aktiv waren, erhielt den Internationalen Deutschen PR-Preis.“

Lutz Pfannenstiel mit Fans als Experte beim Public Viewing. (Foto Pfannenstiel)

Ansonsten werden die Netzwerke gepflegt und Spenden eingesammelt: Bei der Einführung von wee, dem innovativen Cashback- und Mobile Payment-System in München 2018, glänzte Lutz Pfannenstil als Moderator und Experte bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft anlässlich der Fußball-WM in Russland. Unvergessen sind bis heute die launigen Talks vor tausenden Fans im Olympiapark mit dem Unternehmer des Jahres 2019 von München, Cengiz Ehliz, der Founder von wee und Mehrheitsaktionär ist.