Bildnachweis: dennizn / Shutterstock.com – Olena Yakobchuk / Shutterstock.com
Amazon-Chef und Multimilliardär Jeff Bezos ist weltweit der größte Profiteur der Pandemie.

Amazon-Chef Bezos wird in zehn Tagen zehn Milliarden US-Dollar reicher

Laut Duden ist der Profiteur jemand, der Profit aus etwas zieht, der Nutznießer ist. Das Substantiv hat eine abwertende Bedeutung. Der Begriff Gewinner ist hingegen positiv besetzt: Mann oder Frau gewinnt – laut Duden – als Sieger im sportlichen Wettkampf oder glücklich in der Lotterie.

Nur die älteren Generationen haben noch selbst erlebt, was es bedeutet, wenn die Werkshallen geschlossen sind, die Fließbänder stillstehen, die Sportarenen Staub ansetzen und der Einzelhandel weitestgehend dicht macht. Ansatzweise vergleichen lässt sich das, was gerade abgeht, mit der Ölkrise von 1973 und den daraus entstandenen Folgen einer Wirtschaftskrise oder mit regionalen Katastrophen wie der „Jahrhundertflut“ von 2002 in Mitteldeutschland sowie der Sturmflut von 1962, als Dämme brachen und die Nordsee Hamburg überflutete. Allein in der Hansestadt starben damals 315 Menschen. Hamburgs SPD-Innensenator Helmut Schmidt koordinierte damals die Rettungseinsätze und erwarb seinen Ruf als „Macher“. Die Jüngeren erinnern sich noch an die Finanzkrise vor 12 Jahren, die zunächst Banken und Aktien durcheinanderwirbelte und dann die Konjunktur lahmlegte. Konsequenzen damals: riesige Rettungsschirme der Politik für die Finanzwirtschaft, Insolvenzen von meist kleinen und mittleren Unternehmen, Arbeitslosigkeit. Ansonsten hat die Politik recht: Wir haben aktuell die größte gesellschafts- und wirtschaftspolitische Herausforderung seit dem zweiten Weltkrieg, also seit fast 80 Jahren. Corona bedeutet nicht Luftschutzbunker und Brandbomben. Corona ist unsichtbar, schleichend, unwirklich… Corona ist aber in Sachen Pandemie medial so dominant, dass man nur am Rande bemerkt: Dieser aggressive Virus hat so ganz nebenbei die Finanzmärkte zum Beben gebracht, Milliarden an Aktienkapital wurden in den vergangenen Wochen bereits vernichtet. Wie geht es weiter?

Im besten Fall: Wirtschaft droht Rezession der „verdaulichen Art“

Der wirtschaftliche Schaden dürfte weltweit immens sein: In Deutschland rechnen Experten im besten Fall mit einer kleinen Rezession bis zum Wendepunkt im Herbst. Allerdings schlägt in diesem optimistischen Szenario Corona für die deutsche Wirtschaft mit einem Schrumpfen von rund drei Prozent bis Ende des Jahres zu Buche.

Da die Geschäfte in den Innenstädten geschlossen sind und die Menschen zu Hause bleiben, erhält der Onlinehandel durch die Krise einen gewaltigen Schub. Unabhängig vom gebremsten Konsumverhalten der Verbraucher. „Auch wenn das Thema Coronavirus vorbei ist, wird weiterhin mehr online eigekauft werden als vor der Krise“, prognostiziert Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH). Die Logistiker Deutsche Post, Hermes und DPD freuen sich, sie sind auf eine mögliche Paketflut gut vorbereitet.

Big Big Boom bei Amazon in allen Sparten

Weltweit profitiert Amazon am meisten vom zusätzlichen Boom im Onlinehandel. Kurzfristig werden vom Konzern 100.000 neue Mitarbeiter eingestellt – in zehn Tagen verbuchte „Boss“ Jeff Bezos zehn Milliarden Euro Umsatz. Je düsterer die Pandemie-Nachrichten werden, je mehr Einzelhändler temporär zuschließen müssen oder in die Pleite gehen, desto mehr glänzt die Amazon-Aktie. Als einer der wenigen Gewinner inmitten des Börsenmassakers ist die Aktie zwischenzeitlich um 15 Prozent emporgeschnellt. Das bedeutet konkret: Amazon konnte innerhalb von zehn Tagen etwa 100 Milliarden an Marktwert zulegen. Und Hauptaktionär Bezos ist im selben Zeitraum um zehn Milliarden Euro reicher geworden. Wetten, dass vom Virus niemand mehr profitiert hat als der ohnehin schon reichste Mann der Welt?

Die „Krake“ Amazon baut gerade strategisch ihr Lebensmittelgeschäft aus. Whole Foods, die global betrachtet größte Bio-Supermarktkette, hat Bezos mitsamt über 90.000 Mitarbeitern gerade gekauft. Aktuell explodiert das Geschäft mit dem Lieferservice!

In 2019 hat der Gigant einen Umsatz von 280,5 Milliarden US-Dollar verbucht – 20 Prozent Umsatzsteigerung zum Vorjahr und 50 Prozent Plus innerhalb von zwei Jahren. 2015 machte Amazon noch 241 Millionen US-Dollar Verlust, 11,6 Milliarden stehen in 2019 als Gewinn.

Wenn die Welt stillsteht und die Menschen gezwungen sind, zu Hause zu bleiben, dann braucht es Tools, um im Home-Office arbeiten und sich in der Freizeit gut unterhalten zu können. Amazon steht auch hier „Gewehr bei Fuß“: Das Cloud-Geschäft boomt immens – gut 20 Prozent des Konzerngewinns entfallen auf diesen Wachstumsbereich. Ähnlich verhält es sich mit dem „Prime Service“: Vor Ausbruch der Krise verbuchte das Unterhaltungsprogramm bereits mehr als 150 Millionen zahlende Kunden. Fazit: Amazon – DER mehrfache Nutznießer der Krise!

Wenn die Welt stillsteht und die Menschen gezwungen sind, zu Hause zu bleiben, dann braucht es Tools, um im Home-Office arbeiten und sich in der Freizeit gut unterhalten zu können. Amazon steht auch hier „Gewehr bei Fuß“: Das Cloud-Geschäft boomt immens – gut 20 Prozent des Konzerngewinns entfallen auf diesen Wachstumsbereich. Ähnlich verhält es sich mit dem „Prime Service“: Vor Ausbruch der Krise verbuchte das Unterhaltungsprogramm bereits mehr als 150 Millionen zahlende Kunden. Fazit: Amazon – DER mehrfache Nutznießer der Krise!

Bildnachweis: Stefan Rotter / Shutterstock.com

Doppelsieger Natur

Profiteur und gleichermaßen Gewinner scheint immer mehr die Natur zu werden. Ohne Verkehr ist das Wasser in der Lagune vor Venedig und in den Kanälen plötzlich fast kristallklar. Und auch die Luft scheint sich schrittweise selbst zu reinigen, 90 Prozent weniger Flugbetrieb bedeutet weniger Kerosinausstoß, weniger Kfz-Verkehr resultiert in weniger Gestank und Abgasen in den Straßen der Metropolen.

Bilanzen stehen vor Solidarität

Rigoros möchten einige Top-Marken von Corona profitieren: Der Sportartikel-Konzern Adidas und die Schuh-Handelskette Deichmann, die mit Unternehmenszahlen überdurchschnittlich performen, möchten ihre Mietzahlungen „ab dem Monat April für die Dauer der behördlich angeordneten Zwangsschließungen aussetzen.“ Vereinfacht ausgedrückt: Mieten werden nicht bezahlt! Deichmann betreibt nur in Deutschland ca. 1.500 Filialen. Andere Händler wie der Textilhändler KiK oder Douglas verklausulieren noch ihr Verhalten, aber es ist davon auszugehen, dass wahrscheinlich alle Handelskonzerne entsprechend nachziehen werden, ganz im Einklang mit den staatlich verordneten Möglichkeiten. Damit droht ein Flächenbrand, wenn Hotelketten und Restaurants nachziehen, die kein Geld mehr verdienen können und die Lasten weitergeben.

Es trifft hier die Besitzer der Gewerbeimmobilien, sowohl private Vermieter als auch große Immobilienbetreiber wie die Familie Otto, Betreiber der ECE-Shoppingcenter oder die börsennotierte Deutsche Euroshop AG.

Unverhoffte Umsatzsprünge und Mehrschichtbetrieb

Ebenfalls Gewinner und Profiteure von Corona sind die Lieferdienste. Bei entsprechenden Services von Supermärkten muss der Kunde Glück haben, um noch einen Termin in zwei oder drei Wochen zu bekommen. Beim Zusteller von Gastronomie-Angeboten, Lieferando, sind beispielsweise die Boten angehalten, das Essen nur noch abzustellen und nicht mehr dem Kunden direkt zu übergeben. Auch für die Tiefkühlkost-Hersteller Eismann und Bofrost sind durch Corona goldene Zeiten angebrochen. Die Umsätze haben sich jeweils verdoppelt!

Wenn die Mitarbeiter im Home-Office arbeiten, dabei untereinander kommunizieren und Daten verschicken müssen, dann ist für Online-Dienste und Software-Unternehmen eine unerwartete Erntezeit angebrochen. Branchen-Gigant Microsoft spricht von 37 Prozent mehr Nutzern bei der Bürokommunikations-Software.

Auch die Supermärkte und Drogerieketten profitieren: Schätzungsweise bis zu 15 Prozent mehr Umsatz werden die Platzhirsche Aldi, Lidl, Netto und REWE sowie dm und Rossmann verbuchen können.

Keine Überraschung ist, dass die Hersteller von Schutzausrüstungen und Hygienemitteln in der aktuellen Krise durch Corona extrem profitieren. Sowohl die Firma 3M, die Atemschutzmasken produziert, wie auch das Unternehmen Dupont als Hersteller von Schutzanzügen, sind aktuell nicht in der Lage, allen Aufträgen nachzukommen. Und Selbstverständlich boomen die Auftragseingänge bei Medizintechnikherstellern gleichermaßen wie bei den Herstellern von Covid-19-Tests.

Ein großes Sorgenkind der Pandemie sind kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere der stationäre Einzelhandel, der aktuell seine Geschäfte geschlossen hat. Aber hier gibt es neben vielen Verlierern auch Gewinner – allerdings keine Profiteure. Einkaufsgemeinschaften, die plötzlich wie aus dem Nichts mit heimischen Taxiunternehmen lokale Lieferservices auf die Beine stellen. Oder Kommunen, deren Stadtmarketing hier tatkräftig unterstützt! Das gilt auch für den Mobile Payment- und Cashback-Anbieter wee, der in allen europäischen Markterschließungsregionen aktiv mithilft, dem stationären Einzelhandel die Brücke zum eigenen, regionalen E-Commerce über die eigene weeApp zu bauen.

Die wahren Gewinner sind die Menschen, die sich engagieren

Auch wenn die Menschen, die helfen das tägliche Leben aufrechtzuerhalten, am meisten unter Druck stehen – Ärzte, Krankenschwestern, Pflegepersonal, Servicekräfte an den Ladentheken der Supermärkte sind die wahren Gewinner in der Krise. Mit eingeschlossen tausende von Freiwilligen, die ehrenamtlich oder für „kleines Geld“ Lieferdienste übernehmen, in der Landwirtschaft mithelfen oder die bis zur Erschöpfung arbeitenden Mitarbeiter in weltweit abertausenden von kommunalen oder privaten Krisenstäben. Denn diesen Menschen, die sich in den Dienst aller anderen Menschen stellen, gebührt für lange Zeit der größte erdenkliche Respekt. Auch wenn man dann nur noch mit einem leichten Schrecken an die erfolgreich überwundene Krise zurückdenkt.