Football of blue glowing dots. Particle football. © newrossosh – stock.adobe.com

Digitalisierung schafft gläsernen Fußballfan und Fußballprofi

Die Fußballclubs investieren weltweit in neue Software, E-Business, Social Media, Online-Marketing… Das betrifft aber nicht nur die Proficlubs in den führenden Ligen wie Premier League, Primera Division oder Bundesliga. Aber auch die kleinen Vereine setzen teilweise schon bemerkenswerte Maßstäbe – mit hoch-professionellen Internet-Auftritten und integrierten Online-Shops, Videoanalysen von Spielen und Spielern, E-Tickets mit QR-Code oder der Spieltag-Beschallung über den Computer mit vernetzter Soundanlage, powered by Bluetooth. Der Sport mit der Zugmaschine Fußball professionalisiert sich immer weiter – auch technologisch. Und das in unterschiedlichsten Bereichen!

Im Profi-Fußball fließt das Geld aktuell gezielt in drei Felder: 

  • Es gilt alle möglichen Messdaten über die Spieler, das sensibelste Kapital eines jeden Clubs, zu generieren. Das betrifft beispielsweise die individuelle Trainingsleistung des Spielers, führt über Daten beim Spiel bis hin zur Ernährungssteuerung und Medizin-Checks sowie Reha-Maßnahmen. Diese gesammelten Datenberge werden dann von Spezialisten ausgewertet, die entsprechenden Fachleute beraten die Trainerstäbe mit ihren Analysen. Sogenannte Konzepttrainer wie der Ex-Schalker Domenico Tedesco oder Julian Nagelsmann, neuer RB Leipzig Coach, schwören auf Database, was auch auf den Red Bull-Fußball-Architekten Ralf Rangnick zutrifft. Aber auch Pep Guardiola von Manchester City gehört zur neuen Trainergilde, die auf Laptop, Spezial-Software und WhatsApp im Tagesgeschäft vertrauen.
  • Mit Social Media und eigenen Fernsehsendern produzieren die Clubs schon jetzt,  weitestgehend selbst, ihre eigenen News und Reportagen, was sich von der Politik – Regierungen, Ministerien, Parteien – nur wenig unterscheidet. Die Motivation hierfür liegt im neuen Business der internationalen Diversifizierung, in der Markengestaltung, in der Verbreitung und im Controlling des eigenen Images. So verlieren neutrale Medien wie Tageszeitungen oder deren Online-Kanäle, Rundfunk und öffentlich-rechtliches Fernsehen immer mehr an Bedeutung. Sie sind nur noch für die Reichweite relevant! Was zählt ist die eigene Inszenierung: Für die Vermarktung des neuen Trikots von Real Madrid hat Hersteller Adidas einen siebenminütigen Kurzfilm produziert und dabei sicherlich siebenstellig investiert – nur was Storyboard, Filmproduktion und virtuelle Verbreitung angeht. Auch ohne dieses Invest sind die weißen Shirts der Königlichen seit Jahren die meistverkauften auf der Erde. Aber Gewinnmaximierung ist hier die legitime Triebfeder!
  • Die Digitalisierung der Fans ist ein wichtiger Business-Treiber der Fußballclubs! Wer seine Fans kennt, der kann mit diesen direkt kommunizieren. Und das funktioniert über Facebook, Instagram, Twitter, WhatsApp-Gruppen am besten. Die virtuelle Durchschlagskraft bei der Information oder Kommunikation mittels Smartphone ist erheblich höher als beim Spiel im Stadion, geschweige denn beim TV Konsum des Spiels, das von einem öffentlich-rechtlichen Sender übertragen wird. 

Borussia Dortmund hat weltweit über 20 Millionen Fans bei Facebook und Instagram gebündelt. Es ist ein Klacks diese Community mit einem E-Commerce-Leckerbissen punktgenau zu erreichen um fast zeitgleich die Kassen klingeln zu lassen. Man stelle sich alternativ dieselbe Vermarktungsaufgabe mit dem Informationskanal TV vor, bei einer Liveübertragung: Zur Auswahl stünden hier Fernsehspots oder die Buchung der LED-Bande. Die Kosten wären enorm und betriebswirtschaftlich nur schwer vertretbar, unabhängig von den Streuverlusten bei der Zielgruppe. 

Das bestätigte auch Borussen-Geschäftsführer Aki Watzke bei einem Kongress des IT-Dienstleisters Itelligence im September 2018: „Die Zielgruppe der unter 40-Jährigen erreichen wir über Internet und soziale Medien kaum noch.“ Diese „neuen Medien“ sind deshalb aus den Kommunikations- und Marketingstrategien der Clubs nicht mehr wegzudenken. So orientieren sich deren Marketing-Spezialisten an den Plattformen, wo sie auf die Fans treffen – um diese dann zu emotionalisieren und für sich zu binden. 

Bei Borussia Dortmund soll der Fan die Markenbotschaft „Echte Liebe“ nicht nur im Stadion hautnah fühlen. Vielmehr soll dieses Gefühl auch über Social Media und Website transportiert werden. Erstliga-Aufsteiger 1. FC Köln hat sich zum Ziel gesetzt Vorreiter für die Digitalisierung im deutschen Profi-Fußball zu werden.

Ein Big Player der digitalen Transformation im Fußball-Business ist der Gigant Microsoft. Mit seinem Engagement im Sport möchten die Software-Spezialisten einerseits das Fan-Engagement beim geliebten Club intensivieren. Es gilt hier mit einer besseren Information und Kommunikation von Fans und Clubs die Monetarisierung aus dieser Beziehung für die Vereine zu steigern. 

Andererseits bietet Microsoft für alle Sportarten und Sportler individuell vernetzte Lösungen an um Leistungsdaten von Spielern umfassender generieren und detaillierter auszuwerten zu können. Dabei werden Big Data, IoT und Cloud vernetzt. Speziell beim Scouting sollen diese Analyse-Tools noch stärker eingesetzt werden.

„Venue Management“ ist der dritte Bereich des intensivierten Engagements, worunter man die Stadion-Digitalisierung versteht, um den Fans möglichst viele Mehrwerte anbieten zu können. Das beinhaltet auch die Bestell- und Bezahlsystematik bei Konzerten und Sportveranstaltungen im Food- und Bevarage-Bereich, geht aber weit darüber hinaus. Hat sich der Fan digital geoutet und vernetzt, ist es ein leichtes, ihn hier, beim Live-Erlebnis emotional zu erreichen und für geplante Aktivitäten zu gewinnen. 

Die Schweizer weeConomy AG hat hier mit Visionär und Unternehmer Cengiz Ehliz bereits eine Duftmarke gesetzt, denn das Loyalty-Programm wee, das hauptsächlich im Einzelhandel eingesetzt und mit einer Online-Plattform vernetzt ist, wurde technologisch auf die Infrastruktur von Stadien angepasst. Insofern ist dieses System als erstes weltweit offenes bargeldloses Stadionbezahl- und virtuelles Bonus-System einzigartig. Mit der jüngst eingerichteten Sports- und Entertainment-Division sollen jetzt auch die Fans direkt angesprochen werden, beispielsweise in den Eishockey-Arenen in Bad Tölz und Weißwasser sowie in Sion. 

Microsoft verfolgt in Deutschland das Ziel mit speziellen Angeboten der Bürokommunikation wie Office, Dynamics, CRM oder Datenspeicherung, in Summa das globale Kerngeschäft der Software-Spezialisten, alle 36 Clubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga zu akquirieren. 

Digitalisierung im Sport bedeutet Change-Management, Verhaltensveränderung in fast allen Bereichen. Wer hier nicht mitzieht, da sind sich alle Experten einig, wird dabei auf der Strecke bleiben. Und wie immer gilt: Geld für Investitionen, richtig eingesetzt, schießt die wichtigen Tore!