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Ohne Raketen, Böller, Knaller und bunte Lichteffekte ist der Übergang vom alten ins neue Jahr kaum mehr vorstellbar. Auch wenn das klassische Silvesterfeuerwerk inzwischen sehr kritisch gesehen wird – jeder zweite Bundesbürger schaut sich gerne die farbenfrohen Explosionen am Himmel an, so eine repräsentative Umfrage von „deals.com“. Mehr als ein Viertel erachten das Silvesterfeuerwerk als pure Geldverschwendung, 13 Prozent sind davon genervt, jeder Fünfte hält die Knallerei für gefährlich. Nur 12 Prozent der Befragten achten beim Kauf von Feuerwerkskörpern mehr auf den Sicherheitsaspekt als auf den Preis. 

Seit einigen Jahren ändert sich zunehmend die öffentliche Einstellung zur wilden Böllerei: Die deutsche Umwelthilfe (DHU) hat jetzt an 98 deutsche Städte appelliert, nur noch schwarzpulverfreie Silvesterfeuerwerke zuzulassen oder zu organisieren. Denn ein entsprechendes Rechtsgutachten weist für diese Städte Feinstaubwerte oberhalb des WHO-Grenzwerts auf.

Immer mehr Städte beschneiden „wilde“ Feuerwerke

Traditionell findet in Berlin die große Silvesterparty mit einer Million Party-Biestern am Brandenburger Tor statt. Hier ist Böllern und Feuerwerk verboten – erstmals aber auch im nördlichen Teil des Alexanderplatzes und in der Pallasstraße in Schöneberg. Mit den Verboten möchte der Senat die zunehmenden Angriffe auf Polizei und Feuerwehr, wie in den letzten Jahren erfolgt, unterbinden. Seit drei Jahren setzt die Rheinmetropole Düsseldorf auf ein Feuerwerksverbot in der kompletten Altstadt, was sogar das mit sich führen von Feuerwerkskörpern unter Strafe stellt. Ähnliches gilt für Köln seit der eskalierten Silvesternacht 2015: Rund um den Dom ist Sperrbereich! In München hat der Stadtrat ein Böllerverbot für den Bereich innerhalb des Mittleren Rings erlassen, in der Münchner Fußgängerzone und angrenzenden Straßen ist Feuerwerk komplett untersagt. Generell sehen die Regelungen in allen Städten wie folgt aus: Feuerwerke an Silvester sind in der Nähe von Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen, Kirchen, Reet- und Fachwerkhäusern verboten. Darüber hinaus dürfen Raketen und Böller (Feuerwerke der Klasse II) ausschließlich an volljährige Personen verkauft werden.

Vom Lifestyle des Adels zum demokratisierten Feuerwerksspektakel für alle

Die Ursprünge des von vielen so lieb gewonnenen Feuerwerks liegen in Westeuropa gut 1.000 Jahre zurück.

Vor rund 1.200 Jahren wurde das Schwarzpulver in China – von taoistischen Mönchen eher zufällig – erfunden. Eigentlich wollte man im Auftrag des Kaisers ein Elixier kreieren, das Unsterblichkeit verspricht. Herausgekommen ist die explosive Mischung aus Kohle, Schwefel und Salpeter. Heute wie damals ist das Pulver ein wesentlicher Bestandteil der Feuerwerkskörper, die man in jedem Supermarkt kaufen kann. China ist immer noch der weltweit größte Produzent und Exporteur von Feuerwerkskörpern.

Arabische Händler brachten im 14. Jahrhundert das Feuerwerk nach Europa. Insbesondere in den vergnügungssüchtigen Zeiten von Barock und Rokoko galt die Feuerwerkskunst als „Premium-Entertainment“ an den herrschaftlichen Höfen. Während des 20. Jahrhunderts wurde die Feuerwerkstradition vermehrt zu einem öffentlichen Vergnügen – finanziert vom Adel oder den selbstbewussten, aufstrebenden Metropolen wie Paris, London, Mailand oder Berlin. Seit dieser Zeit sind die Feuerwerkskörper auch für jedermann käuflich zu erwerben.

Globales Big Business für weitestgehend fünf Minuten zur Jahreswende

Das gilt mehr denn je auch noch heute: Allerdings dürfen Raketen und Böller nur an den letzten drei Tagen des Jahres verkauft werden, was den Supermärkten noch einmal Rekordumsätze einbringt. Von 2000 bis 2019 stieg der Umsatz mit „Knallkörpern“ am Jahresende von 102 Millionen auf 133 Millionen Euro. Die pyrotechnische Industrie beschäftigt in Deutschland etwa 3.000 Mitarbeiter. Laut dem Magazin Wirtschaftswoche „knallt“ jeder vierte Deutsche zum Jahreswechsel (23 Prozent). Vor allem die Männer lassen es gerne krachen: 28 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen kaufen und zünden – 34 Prozent der unter 30-Jährigen. Konkret bedeutet das: Gut 35 Euro lässt sich im Schnitt jeder Bundesbürger die Böller kosten – in Summa entspricht das an Silvester einem Feuerwerk aus 10.000 Tonnen. Weltweit werden Ende des Jahres Feuerwerkskörper im Wert von gut einer Milliarde Euro gehandelt. Dabei erwirtschaftet China mit rund 665 Millionen Euro den Löwenanteil! Frankreich belegt in diesem Ranking Platz zwei – ca. 70 Millionen Euro setzen unsere Nachbarn mit Feuerwerken um.

Deutlich höher gegenüber den Feuerwerkskosten sind die Ausgaben für Speisen und Getränke der Deutschen beim Feiern: Sie schlagen durchschnittlich mit 52 Euro pro Kopf am Silvesterabend zu Buche! Knapp 18 Prozent ihres Jahresumsatzes von ca. 1,6 Milliarden Euro erwirtschaften deutsche Sekthersteller zum Jahreswechsel. Dabei gibt es in Deutschlands Wohnzimmern – oder beim Silvester-Dinner im Restaurant – als traditionelles Silvester-Essen einen Karpfen, zumindest für 200.000 Bundesbürger… Laut Umfragen des Marktforschungsinstituts GfK ist das Raclette der härteste Wettbewerber des Karpfens als Silvester-Festmahl: Im Dezember werden durchschnittlich 2.600 Tonnen Raclette-Käse verkauft, das entspricht der Hälfte des Abverkaufs in einem Kalenderjahr.